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cinerama

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Alle erstellten Inhalte von cinerama

  1. Das klingt in meinen Ohren zynisch. Ein Versuch der Psychoanalyse? Ein wenig länger in der Branche als carstenK, darf ich nur anmerken, dass seine Gleichsetzung von Modernisierungstau / Verweigerung von Digitalisierung simplifiziert anmutet. Daher dieser Einspruch: Modernisierungsstau konnte bisher schleichend zum Standortverlust führen, war aber auf Basis von graduellen Änderungen aufzuhalten oder individuell frei determinierbar (etwa durch Showmansship des Einzelbetreibers und den Fokus auf self-made-man-Qualifikationen). Verlottertste Kinos gehörte bisweilen zu den populärsten und auch prosperierenden - etwa aufgrund z.B. nicht-technischer Prioritäten. Allerdings hat sich ihre Zahl verringert. Der Druck der DCI-Umrüstung kennzeichnet m.E. einen Vorgang, den der Betreiber nicht mehr im Einvernehmen mit seinem Publikum als hauseigenen und zumutbaren Standard kreativ ausgestalten und "verhandeln" kann, sondern einen Einschnitt, der neue Abhängigkeitsverhältnisse schafft. Ob Chancen oder auch Verwerfungen damit einhergehen mögen: es bleibt ein kategorial neuer Vorgang. Wer Aufzählungen der wegen nicht zu stemmender Digitalisierung ihren Mietvertrag nicht neuerlich verlängernden Kinos wünscht, der findet sie in FE/FW oder im Thread "Das Kinosterben geht weiter". Das Verhältnis "verlorener" vs. "neuer" Leinwände behandeln die FFA-Studien.
  2. Eine Vielzahl an jahrzehntelang bestehenden, vollgewerblich spielenden Theatern endete jüngst mit den Worten "Wegen Digitalisierung" geschlossen. Gemeint sind sicher auch mangelnde Belieferungen mit Förderkopien und das Abwandern zu Multiplexbetrieben - aber die Marktbereinigung ist somit noch forciert worden. Kultur- und Standorterhaltung definiert sich sehr wohl also auch nach den politischen Regionalinteressen an dem, was man als Aushängeschild für die "Infrastrukturerneuerung" als wertvoll erachtet und was nicht. Jenseits der Schwarzwaldberater.
  3. Wenn man davon ausginge, dass die Konkurrenzmedien keinen Wachstumsmarkt abgeben, könnte man einen Zuwachs gerne verbuchen. Jedoch wird trotz wachsender Startzahlen selbst von problembewussten Multiplexbetreibern die Blockuster-Verstopfung beklagt. Mangelnde Entwicklungschancen für alternative Filme, aber auch die Verkürzung der Auswertungsfenster, die alle öffentlich spielenden Stätten tangiert, sind in die Bewertung mit einzubeziehen. VPF und Drittanbieter können hierauf keine Antworten geben. Im Moment spricht keiner ernsthaft vom unbegrenzten Wachstum in Westeuropa. Für ein solches wünschenswertes (!) Wachstum der öffentlich spielenden Stätten müssten gesetzliche Rahmenbedingungen und massive Schutzmaßnahmen geschaffen werden, falls allein technologische Anpassungsprozesse keinen sicheren Überlebensgaranten abgeben. Öffentliche Sätten als sinnstiftende und soziale Erfahrung, die unersetzbar ist, neu zu entwickeln und produktionsseitig/verleihrechtlich abzusichern, eine weitere Voraussetzung. Wohlwahr. Demnach bekommt ein gerade noch in die Zone gerutsches Kriterienkino alle Zuwendungen, selbst wenn es an strukturschwachem Standort das ganze Jahr keinen anderen Film als "Avatar" zeigte. Zugespitzt formuliert. Der Rest erhält als Feigenblättchen einen Programmpreis, mit dem man allenfalls ein paar neue Stühle ankaufen kann. Oder es gibt nichts von alledem. -> Langjährige oder einzige Spielstätte im Umkreis macht dicht. Das dürfte auch nicht im Sinne von @CarstenK sein, vermute ich stark.
  4. Was Herr @preston sturges als förderungswürdig erachtet - oder welche Kulturbetriebe er durch die Förderinstanzen Baden-Württembergs aus seiner Sicht in Wirtschaftsbetrieb oder Nicht-Wirtschaftsbetrieb "aufteilt" -, das hat die Avantgarde der Kleinstgründungen, späteren Programmkinoketten oder derzeitigen "Alleinversorger" in kritischen Regionen/Bezirken in Ihrem Wirken nicht behindern können. Wünsche noch einen schönen Tag!
  5. Danke für diesen Beitrag.
  6. Leider an der Wirklichkeit vorbei "beraten". Nicht-Kriterienkinos sind in der obigen Problematisierung Programmkinos ohne den festgelegten Mindestumsatz resp. ohne die festgelegte Kartenanzahl pro Betrieb auf den letzten 3-Jahreszeitraum bemessen. Ein VPF-Hub nützt somit nicht den letztgenannten Markteilnehmern. Der MBB ist zwar in einer Beratung, erteilt aber keine Zusagen der Aufstockung in Stellvertreterfunktion für FFA und BKM für für die Letztgenannten . In anbetracht der bis dato völlig ungelösten Probematik empfinde ich hier die Empfehlung für VPF-Hub schon leicht zynisch, ja geradezu als Verhöhnung.
  7. Dies sehe ich tendentiell genau so. Denn es bezieht Kleinbetriebe mit ein, die Risiken eingingen, als sie aus vollständig eigener Kapitalbasis DCI-Anschaffungen tätigten. Und es bezieht sich - sofern ich Dich richtig einordne - auch auf die sogenannten "Nicht-Kriterienkinos", über die auf der AG-Kino-Konferenz während der IFB gesprochen wurde (über etwa 80 renommierte "Rest"-Programmkinos dieses Verbandes), die derzeit aus der - Verzeihung - "Rasterfahndung" (wie ich sie nenne) fallen, d.h. im "Drei-Säulen-Modell" keine Partner finden. Auch für Kriterien- oder selbst Umsatzkinos ist das hier befürwortete VPF-Modell mit Ängsten wegen neuer Abhängigkeiten und Aussschlusskriterien (u.a. für konkurrierende Programme oder Wiedergabeformate) verbunden. Weiters werden nunmehr, wie Du sagst, an diversen Orten, über die hier wenig gesprochen wird, die alten Belieferungs-Hierarchien wieder aufgerichtet. Selbst wenn dereinst Festplatten zugunsten der Online-DCPs verdrängt würden (hier investiert der Verleiher für ein Materialgut am Ort des Konsumenten keine Erstellungskosten mehr = Fernsehen), läuft der Verdrängungs- und (pradoxes Wort) Monopolisierungs-Wettbewerb fleissig weiter. Vater Staat war zwar bemüht, durch verdeckte Teilsubvention gegenzukorrigieren, ist aber nicht gewillt, prinzipiell in Marktvorgänge durch m.A.n. sinnvollen Protektionismus einzugreifen. Dito. Interessant, wann dies auf die DCI-Praxis der ersten Jahre Anwendung findet. Da darf man schon heute drüber schmunzeln?
  8. Günter Rohrbach offieriert seine Gedanken zur "Digitalisierung" - und beschreibt Gewinn und Verlust folgendermassen: "Das klassische Cineastenkino gerät in die Defensive. Das klassische Kino ist analog. [...] Die Trivialisierung des Films hat mit dem Internet einen neuen Schub erfahren. [....] Viele Regisseure verweigern sich deshalb den digitalen Tricks. [...] Der technische Fortschritt orientiert sich nicht an Bedürfnissen, sondern am Machbaren, er ist autonom! [...]" Dennoch sieht Rohrbach grosse Chancen für den deutschen Film, durch finanzierbare Visual Effects auf digitaler Basis nun wieder mit den Genrefilmen Hollywoods mithalten zu können. Vergeichbar an Weltbedeutung mit dem, wie es der deutsche Filme der 20er bis 50er Jahre vermochte. Auch Produzent Stefan Arndt kommentiert lakonisch die Basis der VFX-Orgie CLOUD ATLAS: "Nach unzähligen Tests haben wir festgestellt, dass nur 35mm gewährleistet, dass wir beim Drehen wissen, wie es nachher aussieht". Der Text ist hier im Thread nicht gut darstellbar und verdient es m.A.n., unbedingt komplett gelesen zu werden: http://www.mediabiz....isierung/329889 http://www.mediabiz....isierung/329514
  9. Auch in der "Hauptstadt" massieren sich die Kopierwerks-Entwicklungsaufträge für 35mm-Negativ - und zwar auch nennenswerter US-amerikanischer Produktionen!
  10. cinerama

    Die Berlinale 2013 ...

    Ja und Nein, denke ich mir. Der Regisseur wusste mit Beginn der Hauptdreharbeiten (wenige Tage nach der Premiere von THE ROBE beginnend, nach dem die frühen Erstaufnahmen wohl scheiterten), was das Postulat der Studios und der Zuschauer war. Wie erklären sich die Widersprüche aber? :?: "Berlinale" erklärt`s uns nicht. Reine Verkaufsveranstaltung.
  11. cinerama

    Die Berlinale 2013 ...

    1.37 : 1 ist eine protected aerea - um auch Kinos nur mit Normalwand eine Auswertung zu erlauben (siehe auch die Erwähnung des einen Users hier über DIE ZEHN GEGOTE, den er seinerzeit in "Normalformat" vorgefunden zu haben glaubte). Zu viel Kopf- und Fußraum kann gleichermassen auch "beengen": durch ungenutzten Bereich "pseudo-klaustrophobische" Effekt erzeugen, etwa bei VistaVision, und die Personen ungewollt minitaturisieren (eine Auffälligkeit auch in DIAL M FOR MURDER). DIAL M FOR MURDER hat aber schon beim Dreh die absehbaren Folgen der WideScreen-Auswertung amscheinend ausser Acht gelassen. Es gibt hiervon glücklicherweise also die 3D-Normalformat-Versionen, zweibandig von 1954 und einbandig aus den 80er Jahren. Zu behaupten, alte 3D-Filme seien nur in Normalformat gezeigt worden, wäre jedoch Legendenbildung. Eben so wie die Flat-Versionen kam die Projektion in Normalformat und in WideScreen (kaschiertes Breitbild) zur Anwendung: so auch bei DIAL M FOR MURDER. Die Weltpremiere wurde am 25.4.1954 in etwa 30 US-Städten ist in 3D und 1.85 : 1 durchgeführt (wobei Warner auch 1.75 : 1 bei anderen 3D-Filmen empfahl): das war Studiopolitik der Warner. Zumal bereits Columbia im Dezember bei 3D auf die A.R. 1.85 : 1 setzte und auch Paramount seinen ersten 3D-Film im September 1953 in "Paravision" (1.66 : 1) vorführen ließ, die Universal sogar schon einen Monat vor der Weltpremiere von THE ROBE (CinemaScope, September 1953) bei 3D auf 1.85 : 1 setzte. *** "Digital ist besser" [lese ich obenstehend]: na dann sollte das DCP die gleiche Wahlmöglichkeit bieten wie einst die 35mm-Kopien. Ist nicht der Fall und somit Anlass des berechtigten Unmuts gewesen. Jedenfalls ist die Normalbild-Variante auf DVD gegenüber der jetzigen WideScreen-Version seitlich stark beschnitten. Also stimmte schon in den 80er Jahren nichts mehr.
  12. Vorredner schrieb: Das photografische Konzept lag hier weniger auf Stimmung (also kein schwarz-weiß, keine Licht- und Schattenspiele, keine extremen Langzeitbelichtungen) sondern nüchtern, klar, ohne Personen, einheitliches neutrales Licht. Das kann einem gefallen oder nicht, ist aber künstlerische Entscheidung des Fotografen. Unfug mit Hang zur Ferndiagnose, wie ich es jedenfalls sehe. Einige Stunden mit dem Autor und Fotografen verbracht, bestätige ich den Stilwillen zu unterschiedlichen Belichtungsreihen und auch Langzeitbelichtungen. Ständig waren im hiesigen Kino die unterschiedlichen Lichtsteuerungen von mir anzuwerfen und auszutesten. Das hat natürlich nichts mit "nüchterner" oder gar dokumentarischer Zurückhaltung zu tun, wie der Vorredner unterstellt. Das wäre auch gar nicht die Aufgabe von Kunst: im Gegenteil. Der Autor selbst hierzu: Grundsätzlich bin ich in Bezug auf meine Motive nicht festgelegt, aber für bestimmte Motive habe ich wohl ein besonderes Händchen. So fallen mir oft kleine Details auf, die gerade bei isolierter Betrachtung ihren ästhetischen Reiz haben. Dabei habe ich mich von der – eher dokumentarischen – Sichtweise gelöst, man müsse noch erkennen, was auf dem Foto abgebildet sei. Im Gegensatz dazu finde ich es gerade besonders interessant, wenn das Ergebnis abstrakt wirkt und dadurch auch ein wenig mit der Wahrnehmung des Betrachters spielt. Meine Vorliebe für solche abstrakten Details zeigt sich besonders bei Motiven aus der Natur und Architektur. [...] So habe ich zum Beispiel Passanten auf der Strasse mit unterschiedlich langen Belichtugnszeiten belichtet, um eine etwas geisterhafte Bewegungsunschärfe einzufangen. Um die Konturen aber trotzdem noch erahnen zu können, musste ich mit unterschiedlichen Zeiten experimentieren. Generell experimentiere ich gerne mit Unschärfe, was natürlich auch wieder meiner Vorliebe für abstrakte Fotos entspricht. [...] Aus: http://achtung-poste...n-im-interview/
  13. Vielleicht hätte man durch eine Bildwanddurchkrümmung, mattweißer Typ, und mit Dolby-Doppelprojektion die Bildfragen lösen können. Und die Bildbreite auch maximal auf die gesamte Breite des Baukörpers ziehen sollen. Ich hatte dies auf der Facebook-Seite des Hauses zumindest als Frage (nicht als Verurteilung) aufgeworfen und an den alten Royal Palast in der Schäfergasse erinnert. Auch der Ambience-Light-Bühnen-Rahmen scheint eher die atmosphärische Dekorfunktion als technisches Gestaltungsprinzip zu favorisieren. Beides jedoch auf einen Nenner zu bringen, ist wohl kaum möglich und bildet in sich einen Widerspruch. Persönlich würde ich dem technischen Prinzip einen Primat einräumen wollen. Einiges ist wie immer sehr professionell gestaltet, bei anderem wünscht man sich die Einbeziehung von Fachberatern. Allerdings sagt mir die Reduzierung auf ausschliesslich blutjunges Kinopersonal, daß Erfahrung nur eine nachgelagerte Bedeutung erfährt. Gerade bei Erhöhung des Anspruchs auf allen Gebieten wäre m.E. der reine Jugend-"Kult" aus Multiplexen zugunsten eines realen und menschlichere Corporate Behaviours abzulösen. Viele Stärken - aber auch einige bedauerliche Versäumnisse - werden sich vermutlich im Bauprojekt am Breitscheidplatz in Berlin fortsetzen. Es sind ja Verträge mit Firmen einzuhalten - und ein Etat für ein auch einmal "kinowissenschaftlichers Kolloquium" (ein hochtrabendes Wort ;-) ) ist sicherlich ein Desiderat in der Branche.
  14. cinerama

    Die Berlinale 2013 ...

    Zeitgenössische Pressmeldung:
  15. cinerama

    Die Berlinale 2013 ...

    Bei DIAL M FOR MURDER ist die Aspect Ratio 1.85 : 1 verbürgt. Wenn weiter oben Befindlichkeiten Ausdruck verliehen wird, decken diese sich zwar mit normalen Urteilskriterien (und auch Reaktionen anderer Zuschauer der vorgenannten Vorstellung), laufen aber ins Leere, wenn Kenntnis zur Erstauswertung fehlt oder lediglich im Internet mokiert wird, so doch keiner der Beteiligten den Schneid besitzt, sich einmal namentlich und mit Standpunkt bei den Verantwortlichen (Restaurationsfirma resp. auch beim Veranstalter SDK) zu melden. Die "All-Media-Camera" wurde 1953 von der Produktions-Company für WarnerVision, WarnerScope, WideScreen and WarnerColor oder black-and-white propgagiert: kompositorisch "intended in 1.75 und 1.85 : 1", so auch für HONDO. Zumindest die Vorführungen von 2-D-Versionen von DIAL M FOR MURDER in 1954 sind in der A.R. 1.85 : 1 verbürgt. Für die 3-D-Auswertung könnte ich mir 1.37 : 1 als gängig vorstellen - zumindest die WA in StereoVision in den 1980er Jahren erlaubte die Projektion im Vollformat. Als wir uns vor 4 Wochen schon einmal mit dem Film beschäftigten - längst war er vor der "Europa-Premiere" im Haus der Berliner Festpiele auf Blu ray-Disc in 2-D und 3-D so wie in der A.R. 1.7~ : 1 erschienen - stieß auch hier schon die Breitwand-Version unangenehm auf. Die frühere DVD behauptet zumindest noch die A.R. von 1.37 : 1, betrieb aber ebenfalls massiven Bildbeschnitt. Meine Frage lautet, ob der Regisseur nicht bereits während der Dreharbeiten auf Distanz zu dieser Produktion ging und sowohl eine 3-D-Version wie eine Breitwandversion innerlich ablehnte? Die Einführung des Restaurateurs erschien mir konventionell: schon in Anbetracht seines Alters können nicht viele Kenntnisse zur Filmbearbeitung vorgelegen haben. Neuerlich war dies eine Verkaufsveranstaltung, wie man sie nicht erst seit "Bigger than life" gewohnt ist. Unbeantwortet daher auch die Frage, warum die Farbqualität dieser neuen Version (analog hierzu auch auf der Blu ray Disc) deutich schlechter ist als auf der sehr manierlich erscheinenden früheren DVD?
  16. Ebenfalls eine Einschätzung abgebend, würde ich gerne auf die Motivation und Sinnfrage zurückkommen. Anlaß und Zweck ist sicherlich nicht allein eine Werbebotschaft, um es dem gemütlich am Kamin verhaftenden Konsumenten nur Schönheit zu verkaufen. Gerade durch die Einbeziehung von "charakterstarken" Kinos wird deutlich, dass in gewollter Abweichung von "Postmoderne und Bequemlichkeit" der Fokus auf ästhetische Sonderformen gelegt wird: bis hin zur Ablichtung prototypischer und (für den Laien) sogar "antiquiert" wirkender Bildwerfer oder gar Ofenheizungen. Es war zunächst das Anliegen des IFB-Leiters Herrn Kosslick seit 2005 gewesen, auch die nicht mehr in diesen Bildwand vorrückenden Kinostätten in Berlin zu retten, was mangels Rückendeckung scheiterte. Seit einigen Jahren - und aus dieser verbitterten Erfahrung heraus - wurde die IFB in Sondervorführungen auch auf einige klassische und tradierte Einzelkinos in Berlin ausgeweitet (allerdings nur auf die "bürgerlich-repräsentativen" Stätten konzentriert, m.E. noch zu wenig auf die "schrägen" Alternativkinos: sie alle in der Summe erst würden vermutlich die ständig ausverkauften IFB-Säle am Potsdamer Platz kommunal verträglich entlasten helfen). Was heute an Originalität (wieder existiert oder noch) übrig blieb, ist bedauerlicherweise nicht der Zenith der architektonisch zu betrachtenen Kinovielfalt Berlins. In Abzug zu bringen ist "der grösste Kinofriedhof der Welt" (rund um den Kurfürstendamm seit 1999), aber auch die enorme Kinofülle bis Ende der 60er Jahre (Wedding und Neukölln" oder Ende der 1920er Jahre am Zoo, Nollendorfplatz, Potsdamer Platz, Alexanderplatz, Gesundbrunnen, Lehniner Platz u.a.). Die prototypisch attraktivsten Kinotempel existieren (bis auf die Ausnahme des klassischen Gerhard-Fritsche-Kinos am Breitscheidplatz) leider nicht mehr: geblieben sind die historischen, baulichen und wirtschaftlichen "Kompromisse" unter den tradierten Kinostätten. Vielfältig bleibt in Berlin des Jahres 2013 allerdings das programmatische Angebot analog zum Anstieg der Produktionstitel und Videoinstallationen. Der Autor und Fotograf hat sich in seinem kreativen Prozeß bewußt auf den aktuellen Bestand gestürzt (der eines Tages auch vondannen gehen könnte): bislang sind ihm von diesen Häusern die mit Abstand motivisch und fotografisch besten Aufnahmen gelungen, die ich kenne. In einem 2-Stunden-Gespräch mit ellenlangen Ausleuchtungs-Proben (in einem der als besonders "schräg" und im romantischen Sinne "bizarr" auftretenden Kinos dieser Stadt) war sogar der Wunsch ansatzweise zum Ausdruck gekommen, auch die Sozialsphäre von Kinomitarbeitern "an der Kasse" oder "am Bildwerfer" aufgreifen zu wollen - dies hätte aber alle Grenzen gesprengt. Zu danken ist ihm auch, die sog. "Umsatzkinos" (Komplexe mit 7 bis 9 Bildwänden) aufgrund ihrer oft hinlänglich standardisierten Formen nicht in den Mittelpunkt gestellt zu haben. Durch die konzise Ästhetisierung seiner Fotostrecke auf die individuellsten oder ungewöhnlichsten Prototypen bindet der Autor auch ein Plädoyer für die Gegenwart und Zukunft ein, d.h. für den Erhalt und anzuregenden Besuch. Als Pendant hierzu fungiert die Fotogalerie von Kinomuseum Berlin e.V. im Kino Astor Film Lounge seit 2009, die die noch fototechnisch aufrufbaren Formen aus sehr entfernter Vergangenheit ins Gedächtnis zurückholt, jedoch auf redaktionelle Beiträge und Kommentierungen bewusst verzichtet. In Ausweitung der Thematik darf auch auf die Arbeit des "Film- und Fernsehmuseums" in Hamburg hingewiesen werden, die seit Jahren durch eine Publikation und auch durch eine Website in vorbildlicher Weise die in pedantischer Chronistenpflicht überwältigende Kinovielfalt der Hansestadt nachzeichnet: http://www.filmmuseum-hamburg.de/
  17. Täglich bis zu 6 Filme guckend, machen sich nach meinem Eindruck die gravierenden Änderungen aus Sicht des Publikums noch nicht bemerkbar. Da die IFB Vorreiter und Widerspiegelung von Trends sind, werden sie jedoch auch Konferenz-artig abgehaltene und privat und ortlos abrufbare Festspiele vorantreiben müssen, um als GmbH fortbestehen zu können. Die von mir gesehenen Digi-Projektionen waren zwar ohne Pannen, aber die Qual der gescannten Filmnegative, die auf DCP ausnahmslos farblich verfälscht und in feste Panel-Raster einrücken, ist nunmehr die Regel. in ähnlicher Thematik auch einige Zeilen auf http://www.filmvorfu..._40#entry184512
  18. Ich schon. So wichtig eine Qualitätssicherung, gleichzeitig Sparsamkeit und das Einhalten von Standards sind (derzeit mit "Digitalisierung" synonym gesetzt), so sehr erscheint aber nicht wenigen das "Kino des 20. Jahrhunderts" als kultuell stärker prägend als die erste Dekade dieses Jahrtausends: bezogen z.B. auf die Vielfalt (positiv wie negativ zu werten) der Kinostätten, auf die die sozialen Mitarbeitergefüge, auf Theaterarchitekturen, auf die Nachhaltigkeit des "Leitmediums" Kino, auf originäre Drehbücher und fotogafische Künste, auf Filmmusik oder stilistisch voneinander unterscheidbare Regie-Talente. Die "Befreiung" durch die Digitalisierung auf anderen Gebieten hat zumindest die oben benannten Aktivposten an Glanz verlieren lassen. 35mm-Filmbandprojektion war somit die Klammerung der Produzenten und Verleiher an die Exklusivität einer Kinopremiere und gleichzeitig der Bindung der Distribution der Premieren an gewerblich und lukrativ fungierende Zweck- und Theaterstätten. Wenn man nun annimmt, durch die Filmbandwiedergabe sei eine Aura des besonderen öffentlichen, theaterbasierten Kulturevents gesichert worden, muss man im Umkehrschluss auch mutig genug sein zu konzidieren, dass die Einführung von 2k- und 4k-HDTV-Systemen das Kino nun einmal zu übergrossen Fernsehstuben macht bzw., umgekehrt besehen, das Kino ort- und architekturlos werden lässt, weil es fortan an vielen Orten freier, zugangsfreier und zeitgleicher "gemacht" werden kann. Daraus ergeben sich mittel- und langfristig Konsquenzen, daß in einer volldigitalisierten Welt das Kino als werthaltige Immobilie zur Randexistenz abzustürzen droht (auch wenn in einem anderen Thread viele sich über das gute Geschäftsjahr 2012 sehr freuen - was gerne so weitergehen möge, wenn dafür Voraussetzungen geschaffen würden). Film scheint nicht zwingend an Filmtheatergebäude gebunden zu sein, suchte sich aber schon immer sekundäre und tertiäre Distributionsmärkte. Diesmal jedoch ist die Vernetzung und Verdichtung so weit vorangeschritten, dass Film als AV-Medium und "per se" nicht mehr die traditionelle Langzeitauswertung und Kinoanbindung voraussetzt, sondern sich auf den schnellsten Märkten fortbewegt. Theatreale Kulturen gehören nach meiner Wahrnehmung doch eher nicht zu den schnellstne Konsumgüter-Märkten - eher gerinnt in ihnen die Zeit wie in Museen oder Kirchen, was selbst in Multiplexkinos und kleinsten Szenekinos unverkennbar ist. Nun ist bereits jede Blockbusterproduktion auch Teil der Absorbtion von Fernsehkultur (inhaltlich und auch aufnahme- oder postproduktionstechnisch) wie auch der der Spielkonsole. Dieser Kreativitätszufluss fand viele Dekaden des Kinos über in umgekehrter Richtung statt. Inzwischen haben sich der Wertsysteme auf den Kopf gestellt. Der "Mehrwert" des Kinospiels geriert sich scheinbar nicht mehr nur von innen heraus, sondern vollzieht sich in der Akkumulation und Integration exogener Entertainment-Attribute. Auch qualitativ - darin liegt Dein Bestreben - wurden längst durch X-Box, Bluray, PCM-Toninformationen und künftig projektionslose Systeme (die Gardine wird zum 8k-Fernseher) effizientere Konsumquellen geschaffen als theaterbasierte Filmaufführungen. Meine Frage: worauf stützt sich aber die Gewissheit (wobei dies höchst wünschenswert und erkämpfenswert wäre!), dass theaterbasierte Filmdarbietungen auch künftig die Relevanz besitzen, die sie im letzten Jahrhundert innehatten? Nach meinem Dafürhalten darf von einer Bedrohung ausgegangen werden, der man selbst mit LCOS-, 3D- und 8k-Systemen (respektive CinemaScope oder 70mm-Todd-AO) kaum beizukommen ist, da der Markt in eher abnehmendem Maße "kinospezifische" Angebote der AV-Kultur entgegen setzen kann. Man sollte für den Erhalt fraglos eintreten - aber sich bewusst sein, dass es keine Gewissheit für den Fortbestand der Spezies "Filmtheater" gibt, weil die wirklich bahnbrechenden Innovationen noch nicht erfunden sind.
  19. Gegen Anhebungen der Bildfrequenz gibt es m.E. kein stichhaltiges Argument - im Gegenteil. Eben so wenig gegen hoch auflösende Formate. Technisch minderwertigeren Systemen eine "überlegene" oder "ästhetisch bedeutsamere" Funktion zuzuweisen, käme mir eher nicht in den Sinn. *** Weil oben von 24p die Rede ist: das sind m.E. elektronische Vollbilder im Progressive-Verfahren. HERR DER RINGE aber wurde in Super 35 real gedreht, dazu die Composits und das Rendering in 2k (oder sogar weniger, wie ich mal hörte), und dann Digital Intermediate für 35mm-Kopien. Würde daher von 24 B/s oder 24 fps sprechen.
  20. cinerama

    Django

    Nur der fotografische Anspruch scheint gegenüber früheren Tarantinos (und seinem ansonsten exquisiten Fachwissen) ein wenig auf der Strecke geblieben zu sein. Weiss nicht, was sie da mit dem D.I. angestellt haben? Weder 35mm Panavision noch 4k DCP scheinen gemessen am Ergebnis wirklich gelohnt zu haben. Ist aber eine subjektive Meinungäusserung.
  21. How To Marry A Millionaire wäre, wenn als Original OCN-35mm-Kopie erhalten, doch recht interessant - vermeidet er doch gewissen Aufnahnmeschwächen von The Robe, obgleich früher mit der Produktions begonnen wurde.
  22. Wieder wie jedes Jahr bringt Sebastian "Roxy" Rosacker am 16. März 2013 um 14.00 Uhr im ROYAL im schwedischen Malmoe eine Ständchen zu seinem Birthday. Einige aus dem Forum kennen ihn, einen passionierten Kenner und Besucher der 70mm-Festivals seit den 1970er Jahren, beruflich Bühnenkünstler - und nun wird er 60. Weltweit sein Lieblingskino war immer der Berliner ROYAL PALAST im Europacenter. Das Flaggschiffkino in Malmoe feiert an diesem Tage seinen 52. Birthday und überlebte - noch jung also. Mit der nachwievor größten Bildwand Schwedens. Die Kopie kommt aus dem schwedischen Filminstitut, dem größten 70mm-Archiv der Welt. Zeigen wird Sebastian THOSE MAGNIFICENT MEN IN THEIR FLYING MACHINES (GB 1964, filmed in Todd-AO). Eintritt wird nicht verlangt - aber jede Spende ist willkommen. Berichte über das 70mm-Festival in Oslo folgen.
  23. Zumindest wird die Immobilie, der Standort und der Eigentümer nicht durch kriminelle Einzelpersonen "verbrannt". Satzungen von gemeinnützigen Vereinen lassen sich nicht einfach "ändern". Der demokratische Mehrheitskonsens ist auch für den Vermieter eine verlässlichere Grundlage gegenüber der Willkür der "Platzhische". Weiter so, Herr Skötsch - lassen Sie sich hier keinen Sand in die Augen streuen.
  24. Jenseits der Jubelparade aus Karlsruhe bat ich die Forumleistung und auch Herrn Moderator @preston sturges, eine Aussage wie "Würde schätzen wollen, daß 2012 weniger als ein Viertel der gewerblichen, heute spielenden Kinos noch existieren." nicht weiter zu zitieren. Im Forum hatte ich mich wieder deutlich davon distanziert. Die Äusserung fiel zu einer Zeit, als Förderprogramme für die Digitalisierung nicht in Sicht waren und auch die (derzeit wirksame) Marktinnovation durch 3D-Erfolge nicht absehbar war. Insofern eine gut gemeinte Warnung. Seine Spott-Parade kann @preston sturges doch in seinen Betriebsräumen abhalten. Er verhöhnt ja (aus meiner Sicht) auch Diejenigen, die aus unterschiedlichen strukturellen Gründen nicht Teilhaber der Erfolge von 2012 sind. Eben. Zudem ist die Besucherzahl der letzten fünf Jahre in etwa um einen Mittelwert herum konstant. Eine steile Anstiegslinie wäre erst nach Bewertung der kommenden Jahre möglich und müßte strukturell und distributorisch verankert sein. Lotterie oder ernst zu nehmendes Forum?
  25. Erheblicher Widerspruch in diesem Punkt: Profit bitte nicht über die Leichen anderer! Ein faires und gutes Einkommen ist dagegen völlig korrekt. Der Filmvorführer ist ja kein Teilhaber oder Aktionär - daher auch kein Profiteur oder Ausbeuter. Obwohl er lange Zeit die zentrale und verantwortungsbelastetste Figur des praktischen Kinobetriebs war. Aktionismus mit irreversiblen Folgen. Man will ja den Betrieb und das Auskommen selber in die Hand nehmen: etwa durch Kollektivierung. Erst dann hat der Arbeiter gesiegt. Richtig, Stefan? Stimmt. Nur leider gibt die "freie Marktwirtschaft" hüben wie drüben (US-Major-Pläne zur Reduzierung der Kinofenster, EU-Pläne zur Reduzierung der Kinofenster) jenen "flexiblen Verwertern" alle Mittel an die Hand, Vertriebswege und Strukturen so zu ändern, wie es der kurzfristigen Margenerzeugung entgegenkommt. Die Nachfrage entscheidet, und das Wort "Protektionismus" (obwohl für den Kinoerhalt eine Sicherheitsmassnahme) ist verpönt als diktatorisches Lenkungsinstrument. Da aber nicht mehr "fürsorglich-dikatatorisch" (?) gelenkt, sondern "befreiend" (?) dereguliert wird, versinken wir eben unausweichlich im Chaos. Die Kampfbegriffe kehren sich plötzlich um. Das ist die Kehrseite eines (ökonomisch bemessenen) Freiheitsbegriffs - der irgendwann auch die freie persönliche und soziale Entfaltung versklavt und somit "Unfreiheit" schafft. Sehr komplizierte Zusammenhänge... aber wir könnten durchaus einmal ein böses Erwachen erleben - man weiss es nicht.
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