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cinerama

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Alle erstellten Inhalte von cinerama

  1. Das ist auch nicht direkt der VPL, sondern ein Prototyp in Nachfolge, um das zu verbessern. Mit HDMI funktioniert er derzeit nicht. Lüfter extrem leise, das Gerät auch an heimkinoüblichen Wandhaltern befestigungsfähig. Die Lichtausbeute beim VPL VW1000ES ist ja auf 200 Inches begrenzt. Warscheinlich sind beide Märkte damit anzielbar: Heim-Kino-Segment wie öffentliche Theaterräume gleichermassen. Der Test verlief ja aus 20 Metern Projektionsentfernung.
  2. @Sony Digital Cinema, ich möchte doch um etwas mehr Ruhe beim Hang zur Polemik bitten. Das Ganze hat mit 70mm nun wirklich nichts zu tun, auch wenn das Format Traumata auslöst... Die Information wurde innerhalb der Postproduktion beredet, das o.g. Gerät wurde ausgetestet. Offenbar bist Du mit Deinem Wissensstand weit im Rückstand. Bekannt ist ausserdem, dass Sony-Equipment im Home-Cinema-Segment immer wieder Anlass zu Diskussionen gab. Konkret gibt es Skalierungsprobleme von der Blu-ray Discs. 4k-Informationen sind auch nur über Festplatten einspielber ("Face Of" - traumhaft scharf vom 35mm-OCN, man sah die Schuppen der Haare auf den Anzügen der Darsteller. Aber HARRY POTTER und HERR DER RINGE aus 2k D.I.s sind nicht mehr ansehbar auf diesem Gerät, was bereits in der Postproduktion benannter Titel begründet liegt). Obenstehend hatte ich noch einen weiteren, prekären Aspekt benannt. Es staunt, dass hierauf kein Sturm der Entrüstung erfolgte? Genügend Content? 75 Filme werden derzeit angeboten. So viel ist das nicht, wie @Sony Digital Cinema anpreist. --- Folgender Gedanke der Nüchternheit: die Konsumenten gucken das, was sie sich leisten können. Ein Beamer zum Preis eines guten Flachbildschirms um die EUR 900 (die es im 1080p-Sektor bereits gibt), hat seine Reize und ist an vielen Orten präsent. Da ja einst ein Kinobetreiber apodiktisch ausführte "Die vierte Wand ist die Leinwand", darf man das Credo auch gerne im Heimkinobereich anwenden. Zudem ist die Blu-ray Disc auch auf 2 Meter-Bildbreite unbefriedigend: erst gestern schaute ich in die neuesten Transfers an Blu ray Discs hinein. Das neue, o.g. Sony-Gerät Gerät schafft Leinwandgrössen von bis zu 15 Meter - ist für DCI einsetzbar und jederzeit im Kino implementierbar. Exzellentester Schwarzwert! 4K-Cinema ist kein Privileg der ortsfesten Filmtheaterbetriebe mehr, und das darf hoffentlich erlaubt sein, zur Diskussion zu stellen? Das Ganze war gut gemeint. Aber das Privileg ist eine Illusion. Das ist aber jetzt nicht ernst gemeint?
  3. 2012 geht's los mit grossen Heimkinobildern: bigger than life auf voller Wand zuhaus. Preise für das Sony-Gerät VPL-PW1000ES schwanken je nach Gerücht zwischen 25 Tsd. Pfund, 18 Tsd. und wie ich heute hörte 12 Tsd. EUR. Bildquelle: http://www.engadget.com/2011/11/28/sony-4k-home-cinema-projector-coming-in-january-for-18-000/ Der Upscale von Blu ray-Discs (ich vermute, auch ein DCI-Server wird erkannt) auf 4k soll nicht unproblematisch sein, und auch der Schwarzwert soll nach häufigem Ein- und Ausschalten jeden Mal nachgeregelt werden müssen. Vorteilhaft sei der effiziente Weitwinkel. Während SONY mit Software (4k Videos?) unterstützen will - wobei die Auswahl derzeit begrenzt sein dürfte: "007"-Filme und "Die Kanonen von Navarone" seien im Angebot), verweigern alle anderen Majors ihre Unterstüzung. Frage: - Warum verweigern sie sich? - Kippt die Boykott-Allianz binnen weniger Monate? - Welches reele Zeitfenster - 2 Jahre? - kann angesetzt werden, um auf Kostenniveau der Blu-ray-Verfahren den Markt zu durchdringen? - War die "digitale Revolution" im Kino wirklich eine solche? (Motti wie "Believe what you see" funktionierten wie eine PR-Dampframme) - Gibt es einen technologischen Vorsprung des Kinos noch? - Ist ein technologischer Vorsprung die wichtigste Frage zur Zukunft des Kinos? Handelt es sich nicht eher um eine Floskel der 50er Jahre, um das Fernsehen zu besiegen?
  4. Kurze Einblendung eines Bildes (Entschuldigung für die randständige Qualität), auf dem man aus der Vogelperspektive sieht, wie riesig breit der Bühnenraum war, und dass sich der Saal ähnlich dem späteren Royal-Palast nach vorne verbreiterte. Gab es später noch solche Kino-Säle?
  5. Nicht Nolan, hitziger Schreibfehler! Sorry, die Hitze des Gefechts! Brad Bird ist der Regisseur - kannte ihn noch nicht. - In USA auch IMAX-Einsätze. Weiss man etwas über die deutschen IMAX-Kinos?
  6. Nolans MISSION IMPOSSIBLE IV: ein actionlastiger Blockbuster, man glaubt es kaum, wurde zu rund einem Viertel auf 65mm-Filmmaterial gedreht! Darunter massiver Einsatz von 65mm-Imax-Kameras - aber auch 65mm-Iwerks-Kameras. Das Ergebnis kann sich sehen lassen - weiter so, Christopher Nolan!
  7. Der erste Satz (besser funktionierendes Verleihsystem ist auch nicht mehr zu erwarten) klingt interessant. Die Einsicht käme dennoch zu spät, sofern man sich bereits zu weit auf alternative Plattformen vorgewagt hat: "Point of no return". SKY schreibt rote Zahlen, aber wird die Willensentscheidung nicht durch ein restriktive Angebot gehemmt? (mit einem "Film der Woche" klingt das alles banal). Youtube dagegen hätte wohl ein gewaltigeres "Potential". Dadurch, das die Preise für "Film" fallen, kippt somit auch die Ertragslage der Kinos, steht zu befürchten. Hat die Filmbranche wirklich aus dem Desaster der Musik-Industrie gelernt, oder geht sie nicht gleiche Wege, unter Ausnutzung besserer Kontrolle? Darin liegt leider eine unerbittliche Logik. Gestützt durch den Partikularismus und Provinzialismus des Denkens. Seit einigen Jahren glaube ich nicht mehr an eine technologische Führerschaft des Kinos. Service-Kinos sind auch kein Allheilmittel und können auch aufdringlich wirken: besonders, wenn das Programm kränkelt. Das Aussergewöhnliche (früher gab es Roadshows) würde ich heute negieren. Es geht eher um kontinuierliches Interesse und Verbundenheit, zumal man in Zukunft nur mit lukrativen Blockbuster-Starts, die aussergewöhnliche Massenanballungen auf sich ziehen, nur tageweise und an Event-Stätten über die Runden käme. Sofern sich das mittleres Segment und der Arthouse-Filme ins Internet verlagern sollte. Genau das sind zukunftsfähige Ansätze. Was weitere Weichenstellungen nach sich zieht auf der politischen und gesellschaftlichen Ebene durch grundsätzlichen Wandel. Das wäre allerdings nicht mehr der alte Staat Bundesrepublik D. Wir hätten hier erstmals die Integration aller Bevölkerungsschichten nach ihren Bedürfnissen und nicht nach ihrem Einkommen. Eigentlich müsste für ein solches Szenarium gerade das kommunal geförderte Kinomodell mit Beispiel vorangehen. Schaut man auf das unsrige, das Arsenal, so hat man sich zwar programmatisch seit Gründung den Sozialismus und die Arbeitsklasse auf die Fahnen geschrieben, aber selten sozial gehandelt. Anstatt schlechten und anbiedernden Marketings und erfolgloser Umbauten der Mini-Säle ebendort hätte man längst mit "Volkskino" anfangen können. Vielleicht gelingt dies eines Tages in den zu wenig ausgelasteten Multiplex-Sälen, wirklich volksverbundene, weiterbildende und soziale Einrichtungen zu schaffen.
  8. Wüsstest Du zu sagen, ob es hier eine "scharfe" Trennung gab? So ist die Frage, wie lange etwa der "Europa Palast" in Essen, eines der jüngsten 3-Streifen-Cinerama-Theater, das neben Aufführungen von HOW THE WEST WAS WON bereits in die EAs der 1-Streifen-Cinerama-Filme fiel, die Streifenbildwand jahrelang weiterbenutzte? Es würde ja nach Deinen Worten bedeuten, dass mit Aufführung einer 1-Streifen-Cinerama-Kopie zeitgleich die Bildwand getauscht wurde und nur die Krümmung (analog zum vorhanden Rahmen) beibehalten wurde. Das war irgendwann auch der Fall, sowohl beim "Europa" Essen als auch im "Gaumont Cinerama" Palace in Paris- Galt es nicht vielmehr, unter den gegebenen Bedingungen der Cinerama-Häuser, eine 70mm-Aufführung akzeptabel zu machen - und erst im zweiten Schritt die 3-Streifen-Produktion/Projektion aufzugeben und dabei auch neue Kinos (70mm Cinerama mit nur 120 Grad Krümmung, siehe Royal-Palast Berlin - auch "M.C.S. Kino" genannt) zu bauen?
  9. cinerama

    Was ist Kino?

    Unter dem Topic "Was ist Kino?" veranstaltet das 17. Bremer Symposium für Film verschiedene Panel-Diskussionen unter der Leitung von Winfried Pauleit. Dabei wird die Frage nach dem Verlust der "Exklusivität" des Kinos gestellt, dass nach Einführung der digitalen Projektion seinen hervorgehobenen Stellenwert verlor: zumal Filme digital nun auch in Galerien und Museen gezeigt werden könnten. So beschreibt der film-dienst die Veranstaltung. Erörtert werden auch Hypothesen zur Zukunft des Kinos und Neudefinitionen seiner Aufgabenbereiche. http://www.kinofenster.de/veranstaltungen-rubrik/veranstaltungen/symposium-was-ist-kino-2012-01-19/
  10. Passieren müsste da viel mehr. Ohne Mietinteressenten ist es aussichtlos. Vorsicht vor den blumigen Worten des (selbesternannten "Berlinale-Fans") Marc Schulte von der SPD. Im Fall Royal-Palast hatte er sich 2004 wenig engagiert, und in anbetracht allgemeiner Gleichgültigkeit die damaligen Anfragen insofern beantwortet, als sei nun einmal der DVD-Gebrauch und veränderte Konsumgewohnheiten Schuld am Untergang dieser Stätte. Sein Plädoyer für die KURBEL ist m.E. eine Floskel: denn zugleich demontiert er seine Fürsprache mit dem Verweis auf die angebliche Unmöglichkeit, über den Denkmalschutz einzugreifen. Stimmt so nicht: gäbe es einen Unterschutz, und gäbe es zeitgleich Mietinteressenten, kann auch nicht abgerissen werden. Wird ab 21.12 dennoch abgerissen, fehlte es entweder an dem einen oder an dem anderen. So einfach ist das. An der Facebook-Petition haben wir zwar teilgenommmen, aber so richtig war ich nie ein KURBEL-Fan. Um so kurioser, dass sich jetzt RA P. Raue dafür einsetzt. Im erwähnten Falle Royal-Palast hatte er seinerzeit den Schwanz eingezogen. Kommt mittlerweile ein wenig Publicity, weil plötzlich auch "Der Tagesspiegel" zum Kritiker von Kinoschliessungen geworden ist - was er in der relevanten Zeit des Kinosterbens von 1998 bis 2005 in der City-West nie gewesen war), bieten sich plötzlich all die Versager (Verzeihung für das Schmähwort!) der letzten Jahre ein Stelldich-Ein. Damit meine ich nur: ohne Zeitungsbericht hätten sie nicht den kleinen Finger gerührt. Sei's drum: wenn's in dieser Konstellation dennoch funktioniert, dann könnte man es ja mit einer Kampagne versuchen. War jemand schon bei der Unterschutzbehörde des Baustadtrats Dr. Gröhler vorstellig gewesen? Das ist nämlich der erste Schritt.
  11. Nicht erst seit Blu-ray Disc-Zeiten, schon mit Aufkunft der DVD vor 14 Jahren wuchsen die Home Cinema-Zirkel. Die Freiheiten und sozialen Möglichkeiten sind seither variantenreicher, die Aura einer perfekten, hochauflösenden und kontrastreichen Filmbbandprojektion und ihres Event-Auditoriums (früher: Filmpalast) erodiert dadurch. Die materiellen Hürden einer Filmherausbringung im hochwertigsten Präsentationsformat in exklusiven Theatern (was sicherlich Freiheiten einschränkte) nebst Vorbestellungs-Systemen und Langlaufeinsätzen (-> gemeint ist die Roadshow-Praxis) koppelten Filmereignisse (natürlich im Sinne des bürgerliche Kunst- und Repräsentationsverständnisses) oft an Spielstätten nach Vorbild von Opernhäusern. Da ich selber jeden dritten Tag in die Oper gehe (trotz himmelweit schlechterer Sänger als Maria Callas - mithin auf CD-Konserve frei "verfügbar") sehe ich nicht ein, Ebert, der bis zuletzt vehementer Verteidiger des Films war und nach seiner Kapitulation zu den Home-Cinema-PLattformen wechselt, als Propheten einer neuen Kinokultur sehen zu müssen. Die beschreibt er nicht überzeugend - und was überzeugt, ist nur Realanalyse. -- Gleichzeitig beharren (gerade in dieser Stadt) selbst ärmste Laden-, Alternativ- und Szenekinos, aber auch eingefleischte kommunale Kinos auf der 35mm-Projektion. Mit Vorzügen und Mängeln, aber mithin sind sie ein Zeugnis der Original-Erstaufführung. Bisweilen nicht schlechter als Blu ray-Disc: mitunter auch besser oder authentischer. Also bleiben die 35mm-Zeugnisse nachwievor relevant und analysefähig. Man sollte es sich da m.E. nicht zu bequem machen in der Wahl des historisch gegebenen Formats. Gerade im Erkennen von Mängeln finden sich ja auch Spuren der Widersprüche und Brüche einer Epoche. Oder man ist von Berufs wegen "Metropolis-Blankputzer" und sichert sich Steuergelder ohne Ende, um bis zum Abwinken immer denselben Film vermarkten zu können, anstatt vorhandene Filmkopien zigtausender Titel effizient für den Kinoeinsatz zu nutzen.
  12. Für sowohl Traditionalisten (wie Modernisten) erscheint die Fassade etwas stereotyp: erst meinte ich TEPPICH DOMÄNE wiedererkannt zu haben. Letztlich sollte man offen genug sein: man macht heute keine Kunst, sondern eine Gewerbe soll sich lohnen. Also geht es um Grundversorgung, nicht unbedingt um neue Highlights der Technik- und Programmgestaltung. Da zum Programm (ausser 3D) nur wenig bekannt ist, gehe ich von gängigen Erfolgskonzepten aus.
  13. Zustimmung. Ein lange befürchteter, erwarteter, aber unter der derzeitigen Marktordnung wohl unumkehrbarer Prozess. Die Companies müssten zumindest an der Wertigkeit der Erstaufführungen interessiert sein, aber auch dort bahnen sich immer mehr "Vertriebsgleise" für Gewinnmaximierung ausserhalb eines etablierten Kinosaals an. Hätte noch vor 3 Jahren nicht vermutet, dass gerade Youtube so schnell zur HD-Plattform mutiert. Nachdem nun die Schwellen tiefer gesetzt wurden, ist die Hoffnung gering, das Preis-Dumping wieder rückgängig zu machen. Besonders prekär, wie lange die Flmtheaterbranche hier ruhig gehalten hat und noch immer nicht geschlossen ihr Minimal-Überlebensinteresse verteidigt.
  14. cinerama

    Netzmuseum

    Schon anregend geschrieben, wie ich finde: und dennoch las ich seine Abwägungen eher als Ausdruck eines strukturellen Zweifels denn als prinzipielle Kultur-, Zivilisations- oder Kommunikationskritik. Prinzipiell befürwortet er die effiziente Digitalisierung der Bibliotheken, allenfalls gebremst und getrübt durch die Kehrseite, dass den Bibliothen und den Originalen künftig Besucher und Finanzen ausgehen könnten. -- Kehren wir noch einmal zurück zur "Filmfrage", die lange Zeit "Kinofrage" war: man greife also einen Exzerpt aus der Publikation der Stiftung Deutsche Kinemathek "Recherche Film & Fernsehen" für unseren Thread hervor. Ich zitiere Martin Koerber: Aber es ist jedenfalls ein Subsytem des "working system", und es gucken sich die Leute ja die Filme an und führen ein Ereignis herbei, in ihrem Wohnzimmer oder in ihrem Arbeitszimmer; auf einem kleinen Schirm oder in einer größeren Projektion, vielleicht aber auch auf einem Laptop, und sie bilden sich ein, sie hätten dann diesen Film gesehen. Was mich frappiert ist, dass es fast keine Forschung an den Originalen gibt". Banaler geht's nicht? Literatur zum Thema Film im Kino füllt die Hälfte der Kinematheksbibliothek. Warum also ein Konstrukt hierfür bemühen? Darum passiert dies, denke ich, weil jeneKinemathek nicht einmal über ein eigenes Kino verfügt, Koerber das auch immer ablehnte, und man nun Ersatzwelten formuliert, aber zugleich überrascht konstatiert: "es gibt keine Forschung an den Originalen". Noch nie gehört von Produktionsfirmen und Kopierwerken, die über Jahrzehnten mit der Bewahrung oder Neukopierung von Filmen befasst waren? Vielleicht mein der Zitierte seine Kinemathekskollegen - aber man sollte nicht den Rest der Branche, die professionell mit Filmoriginalen befasst war oder ist, sublim der Blindheit bezichtigen. In anbetracht aber des berliner Kinosterbens, das die berliner Kinemathek zu keiner Zeit zu einer Stellungnahme animierte, habe ich diese Kinemathek auch nie als bodenständiges Filmmuseum gesehen, sonst als ein Konstrukt. Allein die Essays in "Recherche Film & Fernsehen" zeugen von Verunsicherung über den zukünftigen Weg. Schon die geringe Zahl aktiver Fördermitglieder der Kinemathek spiegelt die Situation und Verwirrung augenscheinlich. Der synkretistische Brennpunkt dieses Artikel steckt daher im Wortmonstrum "working system": Der Verf. desselben schämt sich vermutlich der tradierten Begrifflichkeiten des Films und Kinos - "Filmkino", "Kintopp", "Kino", "Filmheater" - und transformiert das Material so, wie es in die Ergonomie seines Hauses passt, aber nicht nahtlos mit Film- und Kinogeschichte ineins zu bringen ist. Und da auch in 1,3 K restauriert wird - oder es zumindest ablehnt wurde, eine ständige Auflösungs- und "k"-Debatte zu führen -, erscheint es paradox, dass ausgerechnet jene Ressortleiter die postmoderne Film-Rezeption kritisieren, die gerade seitens der Kinemathek durch die Amazonisierung des Filmerbes angeschoben wurde. Die auf einem technischen Niveau beruht, das als Universalformat des HDTV-Standards keine Unterschiede mehr macht. Die Stellen des künstlerischen Direktors eben so wie des Filmarchivleiters sollten nach Ablauf möglichst neu besetzt werden oder eine schärfere Kontrolle derer Befugnisse durch den Bund eingeführt werden. Im weiteren sind die Retrospektiven durch externe Fachleute (entsprechende Ausschreibungen wünschenswert) qualifizierter zu betreuen als durch das Hauspersonal, das schon mit "working systems" mehr als ausgelastet ist, als auch noch Muße für fundierte Forschung an Filmoriginal und -material zu entwickeln.
  15. Dennoch wunderlich, dass die Filmwissenschaft (die Repertoire-verbundene) sich erst jetzt der Thematik widmet, als handelte es sich um eine Entdeckung. Was 2011 geschrieben steht, hätte eben so 1999 verfasst worden sein. Prognosen, aber auch der Mut für Dystopien, fehlten in dieser Zeit. Nun hecheln sie alle hinterher (Bordwell und Ebert), staunend kniend vor der Sintflut des Roll-out, bewundernd die Marktallmacht und hymnisierend die Naturgewalt der Digitalität. Reivoller fände ich darüber zu diskutieren, wie das Kino in 20 Jahren aussehen wird. Nicht nur technisch beschrieben. Dazu hört und liest man bisher zu wenig.
  16. Das höre ich (seit 1999) zum ersten Male. Die Wahrheit ist: weltweites Formatchaos seit Einführung von DCI. (Das wird aber kaum einer zugeben: man ist ja selbst der tollste Hecht... :cool: )
  17. Ein Uni-Projekt stellt keine solch profanen Consumer-Fragen - allenfalls ein Vermarkter. Es steht ja nicht einmal ein Impressum auf der Website. Hintergrundbild sieht auch nicht nach Uni aus. Seriösität aber wäre sofort erkennbar.
  18. cinerama

    Netzmuseum

    Danke für das Interview - von Thurau hatte ich enthusiastische Prognosen und Verwertungs-Modelle noch vor einem Jahr gelesen, die bisweilen mehr Marketing-Ideologie als fundierte Kenntnis der Kulturgeschichte des Kinos aufzeigten. Aktuell lenkt er - wie auch G. Freyermuth u.a. früher Progegisten der digitalen Revolution (und auch meine anfängliche, eher präpotente Begeisterung für erste Vorführungen Anfang 2000 werde ich nicht verleugnen) den Blick auf einige Schattenseiten, Defizite und Tendenzen der Nivellierung. Um sich hernach noch tiefer zu verstricken. Nach einer versteckten Anspielung auf die Dampframmen-Rhetorik vermutlich von BLICKPUNKT:FILM (im Interview spricht er "Szeneblätter" an, die via 3D-"Aphrodisiakum" ungenierte und verkappte Verkaufsförderung durch die Landschaft trompeten) verteidigt er die Kinodigitalisierung als zeitgemässen Schritt, um die "Wettbewerbsfähigkeit" aufrechtzuerhalten. Nachdem er im selben Satz betonte, es gingen nicht mehr Menschen als zuvor seit der erfolgten flächendeckenden Digitalisierung ins Kino, verheddert auch er sich in alten und branchenweit verbreiteten, m.E. bedenklichen Widersprüchen, das eine (Kinodigitalisierung) sei von dem anderen (Entmachtung des Kinos durch Übernahme der Distributionsformate der Sender und Videotheken) zu trennen. Auch die Vermutung einer "langfristigen" Sicherung oder Steigerung der "Qualität im Kino" ist in sich widersinnig, nachdem die Entwicklung des derzeitigen (hoffentlich nicht historisch letztmalig in Erscheinung tretenden) Kinos der Entwicklung der Medien (oder Ondemand-, DVD- und Fernseh-Leitmedien) parall gesetzt wird oder sie kopiert. In der zweiten Spalte kategorisiert er die HD-Übertragungen (Opern, Sport usw.) als nützliche Sparte, aber dennoch nur als Zusatz-Segment (darin unisono mit Kinobetreibern). Sie blieben, so Thurau, lediglich Segment, denn sonst, so der Marketingwissenschaftler, würde sie ja einen Verdrängungswettbewerb angeworfen haben. Ich denke aber, dass diese Verdrängung (etwa des Spielfilm-Nachspiels auf Sonntag-Matineen oder die früher üblichen Filmklassik-Sparten) unweigerlich durch mehr oder weniger billiges HD-Übertragungsprogramm verdrängt werden (und gerade die Qualität der Inszenierungen und Gesangkünste an der MET stehen in Musikkreisen massiv unter Beschuss - schädigen nebenher die Bemühungen städtischer Opernhäuser um eine Stammkundschaft durch "Kannibalisierung", wie ich meine). Hier wäre eine tiefgreifendere Analyse anzustrengen: wie oft und mit welchem Trend kann sich dieses Segment behaupten, und welche "kinoklassischen" Sujets verschwanden über die Jahre aus dem Blickfeld? Sujets, die nach meiner Wahrnehmung wirklich nur eindrücklich im Kino vermittelbar waren. Schliesslich verfällt Thurau in sein Standard-Repertoire: "Der Weg der Kinos weg vom einsamen Ertragsmodell Spielfilm ist grundsätzlich richtig". Richtig? Richtig nur dann, wenn neuerer "Content" reichhaltiger, avancierter, sozialer, gemeinnütziger und populärer wäre als die oft als antiquiert und reaktionäre beschimpfte Beharrlichkeit der Filmgenres und des Unterhaltungskinos. Solche Evolutionen und Revolutionen könnten tatsächlich in Zeiten politischer Umbrüche segensreich sein - und sich darüber die Hoffnung der Dokumentarfilm-Gilde und des politisierten Programms erfüllen(von Globians Dokfilm bis hin zum Internationalen Forum des Jungen Films und andere) wenn die Digitalisierung wie ein Fanal durch die elektronisierten Kinos ziehen würde und endlich Rückwirkungen auf gesellschaftliche Prozesse gewänne. Derzeit und, das steht zu befürchten noch für einige Jahre, stellt die vollständige Elektronisierung der Kinoprojektion aber eher ein Vehikel von Companies da, ihre alte Marktmacht durch verbilligte Distribution und durch Marktbereinigung von (ineffizienten) Einzelkinos sicherzustellen. Unter jenem ökonomisch (reaktionärem?) Vorzeichen wird auch fortan eine Durchdringung des Kinos mit Dokfilms oder Filmklassik weiterhin verhindert. Das Abspiel historischer Medienträger betreffend, womit im Einzelfall noch alternatives Programm zum herrschenden DCP-Angebot gestaltet werden könnte, würde dann ebenfalls zum Opfer der Marktbereinigung, nachdem bereits "Film- und Fernsehmuseen" sich in den Kanon der Broadcast-Verwerter eingereiht haben. Schon deshalb kann Thurau kein sehr kundiger Film- oder Kinohistoriker sein. Schliesslich verniedlicht er den (berechtigten) Protest der Kinobetreiber gegen die Fensterverkürzung: damit könnte, nämlich gegen Hollywood-Studios zu fechten, nur eine Niederlage erstritten werden. Scheinbar hat Thurau nicht bemerkt, dass seit Anbeginn konkurrierende Länder und auch Filmemacher gegen Hollywood antraten. Wie sonst gäbe es es die weltweite (Markt-) und Kunstvielfalt? Letzlich resigniert er vor den profaneren Leitmedien: Die Studios werden den längeren Atem haben, eine Blokkade der Kinos kann keine Lösung sein. In England haben Kinoketten Verhandlungen begonnen mit dem Ziel, beteiligt zu werden an den Gewinnen anderer Kanäle. Das wäre ein konkreter Weg hin zum besagten Multi-Channel-Anbieter: Das Kino muss unbedingt davon weg, Video, Internet und Fernsehen als Feinde zu betrachten – im Gegenteil: Das Kino muss da rein, es muss daran partizipieren. Natürlich kann man das tun. Damit einher geht aber auch eine Auflösung des Grossteils der tradierten, immobilienbelasteten Traditionskinos und auch der Center und Multiplexe zugunsten einer forcierten Durchdringung des Standards-HDTV-Formats/der Blu ray-Disc bei den Rezipienten, das sich übrigens autonom von DCI ihr Recht erkämpft. Das schafft Kiezvielfalt zugunsten vieler "ortloser" Kinos oder auch Filmgenuss-Stätten in Gaststätten, Hochschulen, Seniorenheimen, Clubs, Vereinen, Bahnhöfen, Schulen, Krankenhäusern, Hotels, Arbeitsstätten, Freizeitcentern usw. usf. Sozial nützlich stellt es sich in jenem Sinne dar, als die Eintrittspreise sinken und Mikrogruppen zur Erstellung eines autonomes Filmprogramms ohne Bevormundung durch auratische Tempel (1920er Jahre) oder multiplexales Multitasking befähigt. Negativ zeigt es sich im Sinne der stark entwickelten Ästhetiken und performativen Techniken von theaterbasierten Zusammentreffen von Menschen. Insofern partizipiert durchaus eine breite Vielfalt am Konsumenten an Filmerzeugnissen und an rationelleren Vertriebs- und Aufführungspraktiken. Nicht aber das "Kino", von dem Thurau und tausend andere Experten schwärmen, ohne zu erklären, wie sie es kulturhistorisch in eine Systematik bringen könnten. Innerhalb der bestehenden Weltordnung und Gloabilisierung (die nicht für alle Zeiten festgeschrieben ist), klingt in meinen Ohren paradox, wenn ein Marketing-Professor, der genau die Verwerfungen des Marktes, die Unterwerfungen und auch die Auslöschungen älterer Produktionsmethoden oder Kulturformen kennen dürfte, von einer Ewigkeit "des" Kinos spricht, welches in seiner theaterbasierten Variante als zeitgemässes Produkt aus einer Synthese von bürgerlichem Theater und performativen Lichtspielen entstanden war: als Produkt der frühbürgerlichen Zeitalters und seiner "Maskenspiele". Man müsste m.E. die theaterbasierte Filmaufführungs-Kategorie also stärken und formal wie inhaltlich von den Medien unterscheiden können. Das kann zeitweise durch Blockbuster-Regisseure passieren, die aufgrund technischer Grossträume eine Affinität zur grossen Kinoauditorien haben (oder ihrer Nostalgie frönen - denn die wirklichen Filmkünstler wie Greenaway oder Soderbergh kündigten ja dem "Kino" zugunsten freier Internet-Projekte die Gefolgschaft), oder es können soziale und kulturelle Innovatoren sein, die durch Politisierung und Agitation ihrer Ziele weit grösserer Auditorien bedürfen, als es einen Eckkneipe verspricht. Kurzum: Thurau besitzt offenbar wenig belastbare Kenntnisse vom Kino, egal in welcher Ausformung.
  19. Immer wieder deutlich die bei Philips-Konstruktionen ausgeklügelte Filmschonung im Laufwerk: möglichst grosse Bögen bei Umlenkungen, die ineinander übergehen und, wenn sie sich gegenseitig kompensieren, auch einen geringeren Einsatz von Beruhigungsrollen erforderlich machen. Die auffallend grosse Schaltrolle (sog. Kreuzrolle) scheint erstmalig von Philips eingeführt worden zu sein: man schaue auf die bisweilen klitzekleinen Vor-, Nachwickel- und Schaltrollen beim Selecton von Bauer zum Vergleich. Auch ist die Bildbühne verhältnismässig kurz bei Philips, wodurch der Reibungswiderstand sinkt. Die Version eines stationären Philips-Projektors dagegen (Philips FP 18, stets Linksmaschine) weist bereits eine gekrümmte Bildbahn auf - und ist auch als rückseitiger Anflansch mit einem 35mm-Projektor wie FP30 gebaut worden.
  20. cinerama

    Netzmuseum

    Man könnte viele Blumentöpfe damit gewinnen - nur stünde dem sinnvollen Vorhaben der Marketing-Charakter sich in die Geschichtsbücher einschreiben wollender Charaktermasken entgegen (das obige Bild zeigt bereits die geballte "Kompetenz" an diesem Platz). - Szenenwechsel - Eine Zuschrift von Frau Dr. Dalichow (Direktorin des Potsdamer Filmmuseums) an den film-dienst, Ausg. fd 16/11 - anlässlich des Dossiers zu Dtlds. Filmmuseen in einer früheren Ausg.. Die eckigen Klammern wurden eingesetzt, um Kürzungen zu kennzeichnen, sofern ich sie vornahm: Das Kino ist dabei, Geist und Nimbus aufzugeben [...]. In Ihrem letzten Themenheft dürfen sich vier Museen darüber verbreiten, wie unersetzlich toll sie sind. Reliktverwalter besonnen sich selbst. Das renommierte und neu eingerichtete Haus in Frankfurt a.M. wird besonders gepriesen, sogar die Grussadresse des Staatsministers für Kultur und Medien wird abgedruckt - wie es sich für Hofberichterstattung gehört. Schneller, höher, weiter, mehr am meisten, so der Tenor der Selbstbeweihräucherung (gerade diese Methode kollabiert übrigens weltweit in immer kürzeren Rhythmen). Die ganze Welt hat das Museum erobert, steht geschrieben. Na, wenigsten den Teil, den man fälschlicherweise noch immer für deren Nabel hält. [...] Drei Leiter aus drei westlich der Elbe gelegenen Häusern verbreiten sich ausgiebig und affirmativ über ihre Konzepte. Mit den Mitarbeitern der Berliner Ausstellungsabteilung wird ein sehr kritisches Interview geführt, in dem Nils Warnecke und Vera Thomas durchaus selbstkritisch reagieren, eine Haltung, die Bewegung signalisiert,[;] Potsdam, übrigens das erste der deutschen Filmmuseen, wird inhaltlich gar nicht beleuchtet, kommt wie alles aus dem DDR-Gebiet auch im Jahre 2011 immer noch als strukturelle Problembeschreibung vor. [...] Natürlich bin ich wie Kollegin Dillmann [Direktorin des DFM/DIF - Erg. von @cinerama] in der Lage [,] die film- und medienwissenschaftlich verbrämten Marketing- und Betriebswirtschaftsformeln unserer Zunft herunterzuspulen. Aber wäre das sinnvoll? [...] Wir stemmen mit viel weniger Geld als andere ein erstaunliches Programm, übrigens in einer Art Kleinstadt. [...] Mag sich jeder, der in die Hauptstadt-Region reist, selbst ein Bild machen. Der Kalte Krieg soll bitte enden, auch in Bonn und Frankfurt. Wieso die Bundesrepubik überhaupt dauerhaft drei Sammlungen finanziert, die miteinander um alte und neue deutsche Filme konkurrieren (BA-FA, DIF, SDK), formal kooperieren, sich de facto jedoch spinnefeind sind, wissen die Verantwortlichen vermutlich selbst nicht mehr. [...] Historische Befunde zu entwirren, weil sie nicht bis in alle Ewigkeit tragen, ist offenbar fast unmöglich. Und war schlage ich vor? Aufgabenteilung und Kooperation. Aber mit solchen Vorschlägen, z.B. zu einem gemeinsamen Filmverleih für historische Filme, ernte ich seit 20 Jahren bei den Kollegen nur Hohn. [...] Menschen lernen am schnellsten, wenn Unheil droht. Armut macht erfinderisch, das wissen wir sehr gut. Vielleicht gibt es bald Grund, auch anderswo zu lernen, dann, wenn ökonomischer Zwang für dummes Konkurrenzgehabe keine Spielräume mehr bietet. Der Länder-Partikularismus gehört in der globalisierten Filmwelt zu den Lächerlichkeiten deutscher Selbstbeharrung. Aufs Ganze schauen hilft. Das Kino geht unter, bewegte Bilder fluten aus anderen Kanälen. Wie damit umgehen? Als Museum der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" in Potsdam-Babelsberg sind wir Teil der Forschung zu solchen Fragen, auch die Kreativität der Studenten wird unsere Museumswelt verändern. Und doch werden wir in einem Museum immer auch zeigen, wie es früher war, als fast alle Menschen in einer Weltreligion dieselben Schauspieler und dieselben Filme kannten. [Ende der Zuschrift]. Jenseits der Zustimmung zu vielem sei dennoch leichter Widerspruch zu konservativistischen Postulaten gestattet, die Frau Dalichow aus der Politikgeschichte zu greifen scheint: nach meinem Eindruck führt sie die Globalisierung als notwendiges Moment der Züchtigung des (musealen) Partikularismus an - entsprechend der "Realität" der heutigen Filmbranche. In dieser Hoffnung schimmert immer auch das Ideologem des Zentralismus als Garant einer gerechten Sozialordnung hindurch. Darüber liesse sich freimütig in bestimmten sozialen Ankerungssystemen oder hinsichtlich von Grundrechten und Menschenrechten durchaus diskutieren, schwerlich aber im Kunst- und Kulturbereich. Weshalb Kultur in der Länderhoheit liegt: eine der wenigen weisen Institutionen der alten Bundesrepublik meineserachtens. Man möchte Frau Dalichow lebhaft beipflichten, wo sie ein reichhaltigeres Verleihwesen des Film- und Medienrepertoires fordert. Nur wirkt das Credo wie ein Bumerang zurück: gerade durch die Eindämmung der Vielfalt der Film-, Medien- und Abspielformate zum "Digital Cinema Package" ergeben sich auch Risiken - zu erinnern sind Deformationen aus der Erfahrung jedweden Machtmissbrauchs. Frau Dalichow kann sich, sollte das Postulat Wirklichkeit werden, darauf "freuen", wenn die Distribution und Formatwandlung (einschliesslich möglicher Dekodierungsschlüssel oder Preiskonditionen) jenes Zentralfilmverleihs seitens der Radikal-Entrepreneure am Potsdamer Platz gesteuert werden. Ich halte das für eine weitere Verkümmerung einer Kulturszene, die vehement auf Unabhängigkeit und Dezentralismus setzen müsste. Hinzuweisen sei bereits auf jene Praxis auf dem (noch) freien Markt einiger Kinoregionen, in denen die Unterzeichnung der Virtual Print Fees dazu führte, im Falle eines 35mm-Einsatzes zum Regress verurteilt zu sein. Übertragen wir dieses Pradigma nunmehr auf staatliche Lenkungs- und Rationalisierungsmaßnahmen, ist (polemisch zugespitzt) vorstellbar, dass das Filmrollen-Abspiel in wenigen Jahren unter Strafe gestellt wird. Exekutiert durch Auflagen der Berufsgenossenschaft oder des Umweltschutzes. Schon der Umgang mit Nitrofilm-Material unisono seitens kommerzieller Companies wie staatlicher Archive spricht Bände...
  21. EARTHQUAKE war regulär auch auf 35mm-Technicolor-Kopien verfügbar. Die deutschen Schlüsselstädte zeigten auch 35mm - 4-Kanal-Magnettonkopien. Mein Lehrmeister W. Moegelin, einst im MGM Berlin aber später auch im FORUM am Kaiser-Wilhelm-Platz tätig, berichtet davon, die Kunden wären mit der 35mm - 4-Kanal-Magnettonkopie im FORUM deutlich zufriedener als im MGM gewesen (Ähnliches ist bei JESUS CHRIST SUPERSTAR u.a. 70mm.-Verleihtiteln dieser Zeit konstatierbar). Da der Zustand des MGM in den letzten Jahren stets als "heruntergekommen" beschrieben wurde, ist das nachvollziehbar. EARTHQUAKE lief auf 70mm nicht nur in Europa, sondern wurde auch nach Japan verliehen. Kleine Korrektur zur Annahme von @preston sturges, die erste Bildwand des MGM habe von Wand zu Wand gereicht: das war nicht der Fall, auch nicht mit der zweiten "Rieseneinwand" ab 1962 bei etwa 27 Metern Breite. Zumindest die 35mm-Maschine der 1960er Jahre war eine gekapselte Philips der bekannten Getriebebauweise.
  22. cinerama

    Netzmuseum

    Mir war die strategische Ausrichtung ebenso wie die öffentlichkeitswirksame Abhängung des Bundesarchivs durch die Stiftung Deutsche Kinemathek schon vor Jahren bewusst geworden. Man sollte sich mit letzter Energie dagegenstellen wollen. Dem Bundesarchiv war die Rivalität zur SDK sicherlich immer bewusst (und Konkurrenz an sich ist auch nichts Verwerfliches), das BArch schien aber gerade jenen Entrepreneuren der SDK zu vertrauen, die durch Aneignung einiger modernerer Präservationsmassnahmen scheinbare Kompetenz ausstrahlten - und nichts eiliger zu tun hatten, als das - so sehe ich es - nach ihrer Wahrnehmung "verstaubte" Bundesarchiv "marktfähig" einer "Leuchtturmzentrale" am Potdamer Platz zu unterwerfen. Ansprachen gerade des Filmarchivleiters der SDK, er verstehe wirklich nicht den Sinn der Einwürfe, warum es von Relevanz sei, auf welchem Trägermedium ein Film gesichert würde (sofern es - so die SDK - vorrangig darum ginge, Content verfügbar zu machen oder zu sichern, "egal ob in 1,3k oder 2k ... darüber wollen wir hier bitte heute nicht debattieren"), diese Statements stellten klar, dass die SDK schwerlich als ernstnunehmendes Medien-, Film-, Kino- oder Kunstmuseum anzusehen ist. Wenn das Bundesarchiv vor wenigen Jahren ein brandneues Filmkopierwerk für mehrere Millionen EUR einrichtete, war dies ein richtiger und wichtiger Schritt. Es gäbe ansonsten auch nichts gegen einige Digisate einzuwenden. Solange dabei die Grundlage der filmischen Sicherung nicht infragegestellt wird, ist hinterherzuschieben. Leider wird dies seitens des jetzigen Filmachivleiters der SDK seit Jahren infrage gestellt. Ich hoffe sehr, dass er ab 2012 nicht mehr für eine weitere Amtszeit zur Verfügung steht. Es reicht meineserachtens aus und bleibt kostengünstig, wenn im Bundesarchiv auf 35mm-Fine-Grain-Positive weiterhin gesichert und restauriert wird. Ein neues Material von Kodak begünstigt diese Restaurationen mit Schätzungen zur Lebensdauer des 35mm-Sicherheitspakets von etwa 100 Jahren. [Mögen es auch nur 90 Jahre sein - oder sogar 200... dies sollte hier nicht wieder diskursiv aufflammen. Im übrigen gibt es 90 Jahre alte Nitromaterialien, die noch immer in mir bekannten Büchsen ohne jede Umkopierung erhalten geblieben sind.] Digitalisieren kann man dann auch von solchem Material: sobald Digisate noch kostengünstiger und auch besser werden. Zudem richten die feuilettonistische und bellestristischen Essays unserer "Filmkritiker" (Andreas Kilb in diesem Falle) mehr Schaden als Nutzen an. In denen extrem verkürzt postmoderne Marktinnovationen geradezu forciert werden, um gesellschaftlichen Wandel und Aktivität anzuschieben. Innovationen, die bisweilen in Sackgassen führen - aber Filmkritiker müssen von etwas leben, und Staatssekretäre davon, Innovationen nachweisen zu können. Und die konservatorische Arbeit des Bundesarchivs vermittelt natürlich für Branchenfremde erst mal keinen Eindruck von Aktivität, weil es eben ein Archiv und keine Ondemand-Agentur des Internet ist. Hier steht das Bundesarchiv mit seiner zwar konservativen, aber auch zukünftig stabilsten Archivierungsstrategie nun in der Defensive. Und hat es nicht leicht, ihm Mahlstrom der Taxierung von Kulturgut auf seinen Werterhalts und nach Massgabe seiner "Verwertbarkeit" sich mit einem Appell an die Vernunft überhaupt noch bemerkbar zu machen. Womit die Bedeutung der Archive in Anbetracht eines paradigmatischen Wandels, d.h. der Zuwendung zur "Amazonierung des Filmerbes", künftig destabilisiert wird. Das alles ist schon anderweitig erkannt worden. Und ist ärgerlicherweise ein Prozess, der durch das Handeln der SDK massiv noch begünstigt wird und die eigene Institution (SDK als neue Restaurationsschmiede und als Filmzentralverleih) zum Gralshüter, wenn nicht zur "Vermittlung-" und "Distributionzentrale" von audiovisuellem Erbe machen will. Vorangetrieben wir jene "Neuausrichtung" vom (quereingestiegenen) Justitiar Dr. Klimpel und vom Musikwissenschaftler Prof. Koerber. Das Bundesarchiv muss somit in die Offensive gehen und eine richtige und vernünftige Konservierungs- und Restaurierungspraxis, der ich nur in diesem Hause eine Chance gebe, verteidigen. Dazu gehört die Wiederaufnahme der Ideee eines nationalen Archivkinos in Berlin - was zuletzt leider fallengelassen wurde. Allerdings ist das Filmerbe auf 35mm auch ohne die bestehenden kommunalen Kinos, ohne ein nationale Archivkino und ohne 35mm-Equipment der maßgeblichen Institutionen überall abspielbar. Der Artikel von Andreas Kilb übergeht hier leider den Realitätssinn der meisten Kinobetreiber, die nachwievor ihre 35mm-Anlage als Zweitequipment bestehen lassen. Das ist so bei CineStar, bei UCI und auch bei den Flebbe-Filmtheatern. Gravierende Einbrüche wären daher anzunehmen, sobald die SDK, wie von ihrem Filmarchivleiter vor drei Jahren angekündigt, nunmehr komplett digitalisiert, und anschliessend 35mm-Filme "ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr verleihen" wird. Damit würde vielen unabhängigen Kulturinstitutionen und Kinosonderformen, aber auch Festivals und Inititiativen der Boden unter den Füssen entzogen werden. Erstens würde der "Filmverleih" älteren Kulturguts in Form von Digisaten eben so wie von weniger werdenden 35mm-Kopien durch die SDK monopolisiert werden, und zweitens würde den Nicht-DCI-Spielern oder Traditionsstätten mit Filmprojektion die Luft abgedreht werden. In den Genuss von SDK-Verleihmaterial kämen somit nur reiche Kinos, anvisierte kommunale Kinos (die allerdings noch keinesfalls allesamt "umgerüstet sind") sowie Abspieler, die sich den Auflagen der SDK unterwerfen. Freiheiten und Nischen, wie wir sie derzeit bei der Formatvielfalt der Hybridformen noch erleben, dürften alsbald umgeschichtet werden. Kurzum: es gibt keinen Grund, auf die Ausleihe von 35mm-Gut in anbetracht der günstigen Kopiermöglichkeiten im Bundesarchiv zu verzichten. Ein Filmgut, dass ohnehin nur zu ausgewählten Anlässen zur Aufführung gelangt und von den Interessenten auch pfleglich behandelt würde. Auch mit der Fortexistenz der meisten Filmprojektonseinrichtungen in kommerziellen wie nichtkommerziellen Kinos macht es keinen Sinn, dass gerade eine Museumsinstitution wie die SDK an diesem Standbein des Kinos sägt. Ich bezweifle zudem die digitale und präservatorische Kompetenz der SDK auf allen Gebieten. Verantwortungsträgern, die nicht einmal auf Jahrzehnte währenden Retrospektiven und Festivals in der Lage waren, simpelste Handgriffe mechanischer oder optischer Anwendungen (bei Wiedergabegeräten aus der Frühzeit des industriellen Zeitalters!) in den Griff zu bekommmen (das heisst: ein Bild halbwegs gerade auszurichten, das Zittern an einem Filmprojektor zu beseitigen, die Bildschärfe nachzuziehen oder das Klirren einer analogen Tonspur durch vernünftige Verstärker auszuschalten) - diesen Verantwortungsträgern ist noch weniger eine "digitale Kompetenz" zuzutrauen. Und schaut man in die Berufsbilder der dortigen, entscheidenden Kuratoren, kommen sie allesamt aus nicht-technischen Berufen: aus der Theaterwissenschaft, der Literaturwissenschaft, der Musikwissenschaft, der Kunstwissenschaft, der Publizistik. Dies sind die heutigen Leiter eines Filmarchivs oder einer Retrospektive. Es sind weder "Filmfachleute" (die man offenbar zu vertreiben wusste) noch Digitaltechniker. Und solche, die als Folge neuerer Stellenprofile als Informatiker oder Digitalisten durchaus Kompetenz mit sich bringen, sind dort keine Filmfachleute, Filmhistoriker, Restaurationsexperten oder Kuratoren. Sondern "Handwerker" und "Handlanger". Das ist meine persönliche Meinung zur Entwicklung einer Kinemathek in Berlin, die sich selbst abschafft.
  23. Der Verein Kinomuseum Berlin e.V. hat so einige hoch auflösende Bilder des MGM. Und Zeitungsannoncen. Vielleicht mit ein Grund für eine Mitgliedschaft? (Der harte Kern besteht übrigens aus Royal-Palast- und MGM-Begeisterten... immer was zur erzählen, und immer neue Infos und Dokumente zum Thema. Kontakt: info[at]kinomuseum-berlin.de )
  24. Die Maschine habe ich gut von meinem alten Vorführmeister in Erinnerung (erst MGM, dann im Arsenal Berlin und dort mit Ernemann 12S). Er war als Ernemann-Freak einer derjenigen, die für die Anschaffung plädierten. Später aber war er unzufrieden. Insbesondere die Ankopplung zum angeflanschten 16mm-Teil war stets problematisch, die starren Andruckklappen ein Grund für jahrelange Perforationsschäden an 16mm-Filmen. Woraufhin dann eine Favorit 16 gekauft wurde (allerdings mit faschem Bild-Tonabstand, aber mit dem besten 16mm-Bildstand aller Zeiten. Der ihr nachfolgende Selecton II-0 machte leider ein schlechteres Bild). Beides war dennoch besser als der "Universalprojektor" E15-S mit den Kunststoffandruckbändern (Delrin?), wo sich auch das Blendengehäuse immer wieder aufheizte und vor jeder 600m-Überblendung der Bildstand zu zittern anfing. Es war wirklich nicht begeisternd, und Stumpf baute dann in den 90er Jahren Bauer-B14-Maschinen ein, die noch heute dort im Betrieb sind. Dies nur als Anekdote...
  25. Mein Schreibfehler bezieht sich auf das Premierenjahr der BOUNTY: 1962 (und nicht 1992). Nicht an @preston sturges, aber an die anderen und ernsthaft Interessenten in diesem Thread gerichtet: Die zweite Bildwand wurde, so betonte es mein Vorführlehrer, wegen Ultra Panavision 70 ausdrücklich flach gehalten. Aussagen im weiteren meines verlässlichen Kopierwerkslehrers zufolge betrug die Grösse ca. 27 x 10 Meter. Somit wäre die Wirkung aller anderen 70mm-Aufführungen in 2,2 : 1 in diesem Hauses ein sehr bescheidenes Erlebnis gewesen: die Anmutung einer Large-Format-Aufführung der Breite von nur 2,2 : 1 "ging unter", heisst es immer wieder bei unseren Gesprächen. Anders hingegen Aufführungen von Filmen in CinemaScope und 4-Kanal-Magnetton in 2,55 : 1 - wie beispielsweise bei Titeln wie OPERATION CROSSBOW. Sie wurden hoch gelobt, eben so, wie die 4-Kanal-Magnettonkopie von DAS WAR DER WILDE WESTEN - gegenüber der 70mm-Version, die im CITY angelaufen war. Negative Reviews erhielt ausserdem die EA der Kopie von GRAND PRIX im MGM (und kurz danach der Kopie und optischen Wiedergabe von RYANS DAUGHTER im Royal-Palast), der aber toll annonciert wurde. Die Kritik daran ist derart hart, dass es erstaunt. Aus den gleichen Mündern ein einhelliges Bejahen sämtlicher Aufführungsparameter und technischen Güten der BOUNTY-Präsentation. Bis heute habe man in Berlin Derartiges nie wieder geboten bekommen. [und auch Einwände von @Stefan2, messtechnisch würden Ultra-Panavision-Anamorphote vermutlich nie eine optimale Güte erreicht haben, sollte man zwar mit berücksichtigen, aber sie nicht höher hängen, als geboten, zumal auch Optiken altern und der Stand von 2010 nicht übertragbar ist auf den Stand von 1962). Übrigens kennt @BauerU2 die Säle in- und auswendig. Hoffe, er meldet sich mit Korrekturen zu Wort! Werde eventuell versuchen, eine Bauzeichnung des Kinos aufzutreiben. Geduld bitte.
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