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cinerama

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  1. Daher ist mir unbegreiflich, wie Verantwortliche der Kinemathek wie die Gemüsehändlers das anpreisen, was eigentlich einer medizinischen Vorwarnung bedürfte. Der Deutschen Kinemathek waren von mir Vergleichsbilder der verschiedenen Fassungen der Filme zugegangen, die schlagartig Verluste und Verfremdungen der aktuell im Umlauf befindlichen Restaurationskopien nachweisen. Das wurde ungläubig ad acta gelegt und stattdessen der Unwahrheit einiger Berichterstatter oder der Restaurationstätigen blindlinks Glauben geschenkt und absolut falsche Ergebnisse eternalisiert. Ich finde, der Direktor sollte in anbetracht seiner Fehleinschätzungen in fast allen Belangen der diesjährigen Retrospektive keine weiteren Retrospektiven mehr betreuen, sondern für kommende Themen per Ausschreibung geeignetere Fachleute rekrutieren. Hier einige Bilder vom Berlinale-Empfang, für den ja immer Geld da ist. Mag das Kinoprojektionsbild fernab vom Umtrunk auch wackeln, dass man fast seekrank geworden wäre, die Partylaune soll's nicht berühren. http://www.in70mm.com/news/2009/berlina.../index.htm :wink: Allerdings muss ich sagen, dass in den Empfangsräumen bei Musikeinspielung noch kein Ton klirrte. wIR sehen also, an welchen filmlosen Stätten man heutzutage die technischen Prioritäten setzt: immerhin könnte hier ja unverhofft der Bundeskulturminister eintreffen, den man in proletarischen Niederungen einer 70mm-Vorführung kaum zu fürchten braucht.
  2. Althen von der FAZ mag sich ja in eine Scheinwelt flüchten, aber dem jungen Film und der Avantgarde, die durchaus ihr Recht und ihre Chance auf einem Festival haben muss, auch in Videoformaten über den Zustand der Welt etwas zu sagen, jetzt mit der Keule des 70mm-Films zu begegnen, ist sehr schwach. Um so angreifbarer, zumal die 70mm-Retrospektive kaum einen Ansatz der Todd-AO-Idee umsetzen konnte, wie die malade Technik und die empörenden Restaurierungsergebnisse nun einmal ausweisen. Ich war vormittags stets wie neugeboren, wenn man im Forum des Jungen Films oder im Wettbewerb auf die heutigen Realitäten stiess. Althen darf sie ignorieren und sich in die angebliche Vollkommenheit des Todd-AO-Kinos flüchten, die aber in den 1960er Jahren längst Teil des in der Systemauseinandersetzung erzwungenen Eskapismus, also eine "Kinodroge" gewesen war, zumal die Antagonismen selbst auf der Strasse nicht gelöst werden konnten. Es entstand zwar ein neues Bewußtsein, aber die großen Filmstudios wurden nicht reformiert, sondern trachteten danach durch äusserliche Superlative und Schauwerte Positionen am Kinomarkt zu retten. Somit erstaunt die Wiederentdeckung "zeitloser" Singspiele wie HELLO DOLLY! oder THE SOUND OF MUSIC in späteren Jahren kaum, da sie, von Anfang auf Eskapismus setzend, ein Phänomen an Zeitlosigkeit demonstrieren, das sich zeitgleich immer auch der Verantwortung zur Weltanalyse entziehen möchte.
  3. An ARSENAL Welserstr. verbinden einige emotionale Erinnerungen (so auch ich an meinen damaligen Vorführlehrer, vormals MGM-Theater Kurfürstendamm). Richtig schön ist der Saal dennoch nicht, Exponatfläche nicht vorhanden. Interessant ist aber die Schwulenszene im Kiez um die Fuggerstr., da es sich um das repertoire-liebendste Publikum handelt (von Techncolor zu 70mm, Von Mary Poppins zu The Sound of Music). Die Einbindung der Szene wäre bei damals erhoffter Revitalisierung des ROYAL-PALAST-Centers enorm wichtig gewesen, wozu es nicht kam. Mein Beitrag für ein IFB-Projekt "Berliner Filmtheaterarchitektur" ist fraglich, denn wenn das nicht der Herrichtung eines Kinomuseums und den Wünschen der Mitglieder enstpricht, sondern ablenkt, wäre es am Ende noch ein Beitrag für den Potsdamer Platz, der sich an falschem Standort mit Tradition zu schmücken begänne. Ziel wäre aber die permanente Zugügänglichkeit zur Berliner Filmtheaterikonographie, die Einbeziehung von Besuchergruppen in immer neue Diskussionen oder Erinnerungen und der Regelbetrieb für kinematographisch hochwertige Verfahren des 20. Jhds. mit einschlägigen Filmbeispielen. All das würde der Kosslick nicht mitmachen können, erst recht, wenn die SDK Einspruch erhebt, daß hier irgendwelche Gegengründer sich auf ihre Kosten profilieren wollten. Und wo würde die Ausstellung situiert sein? Gar in den Potsdamer-Platz-Arkaden, in der ungeheizten Keller-Lobby des ARSENAL oder in der Kassenhalle der Blu Men-Group? ZOO PALAST wäre geeigneter. sofern sich der Betreiber auf Repertoire oder Nostalgie besinnt (vermutlich aber Ende des Jahres wegen Umbua schliesst). ASTOR FILMLOUNGE passt bestens in das Konzept, verfügt aber über keine Ausstellungsfläche, es sei denn, die gesamte hintere Kassenhalle würde für den Zweck umgebaut und hergerichtet werden, sodass die Vorankündigungsplakate dort weichen müssten. Alle weiteren historischen Häuser haben einfach zu kleine Foyers, auch das BABYLON-Ost. Im INTER wäre dies gut darstellbar, allerdings müßte auch eine Programmschiene für den Verein komplett freigemacht werden, um die Ausstellung in Verbindung mit zeitgenössischen Premieren zu bringen. URANIA hätte geeignete Ausstellungsfläche und ist ähnlichen Themen zugeneigt, aber der Kinosaal ist eher Vortragssaal. Hervorragende Anbindung an ein Programmkinopublikum hat heute der Prenzlauer Berg.
  4. Nachschlag zu CLEOPTRA - hier allerdings nur in Kurzform: Berlinale-Kopie war vom Duplikatnegativ gezogen, wirkte wie eine 35mm-Scope-Kopie und wurde in diesem Seitenverhältnis auch projiziert (Beschnitt des Kopf- und Fußraums aufgrund normverfälschter Projektormaske). Farbeindruck: rußig in den Geischtern und Detailzeichnungen, und im dort erlebten dts-Ton auch klanglich verfälscht. Nachtszenen zeigten gar keine Details mehr, und selbst herausragend ausgeleuchtete Innenaufnahmen zeigten Frau Taylors Haarpracht wie eine "Einheitsperücke", die mit dunklen Hintergrundflächen verschmolz. Schon die Szene im orangefarbenen Raum mit Cäsars Leuten bildet sich nunmehr viel zu steil ab. Sämliche Innenaufnahmen zu dunkel, und auch die Tagesansichten zeigen verschattete Gesichter und vergraute Farben. Das sind komplett Fehler einer nicht sachgemässen Duplikatkopierung, obwohl dieser Prozess standardisiert ist und jahrzehntelang auch beherrschbar war. Als Ursache für das katastrophale Ergebnis dieser Restaurierung kann u.a. fehlerhaftes Interpositiv vermutet werden, das zu hell abgestimmt ist, womit sämtliche Fehler auch in das 65mm-Restaurations-Duplikat mit überführt wurden. Wer sich die dargelegte Verfälschung des Originals noch immer nicht vorstellen kann, der möge sich ältere Agfacolor-Kopien auf 35mm zurate ziehen, auch in Technicolor-Kopien hineinschauen oder notfalls die DVD heranziehen. Und ob es aufgefallen ist! Neben allen kleinen und kleinsten Ärgernissen, über die man letzthin dann doch gerne hinwegsehen kann - der Ton im International war durchgängig von Übel. RYANS DAUGHTER in six track magnetic hätte tontechnisch ein Erlebnis werden können; stattdessen wurde ich in der 18. (der drittletzten) Reihe Zeuge, wie sich vor mir die Leute in den Musikpassagen reihenweise die Ohren zuhielten (!) - und das aus gutem Grund. Armer Maurice Jarre! [...] Die Saalbetreuung, daraufhin angesprochen, versuchte sich in Ausflüchten: (1) Die Dynamik sei nun einmal auf den alten Kopien so hoch (???), dafür könne man nichts; (2) in Reihe 8 sei der Ton besser, man solle sich künftig lieber nach vorne setzen (???), (3) es sei nicht Aufgabe der Saalbetreuung, einen in den Musikpassagen zu lauten Ton herunterzuregeln, dann könne man ja den anschließenden Dialog nicht mehr verstehen. Es ist diese Mischung aus Hilflosigkeit und Ignoranz, die mich immer wieder auf die Palme bringt; Das ist bedrückend, gerade weil die Magnetton-Dynamik bei RYANS DAUGHTER enorm ist. Ein lauter und dennoch unverzerrter Film wäre niemals Anlass für solche Klagen! Wir hatten niemals Klagen, und zeigten den Film schon einmal 1991 im 'Kino International' während der IFB (Mitchum-Hommage). Schade, denn gerade diese alte Vintage-Kopie aus Stockholm konnte noch am ehesten ein 70mm-Bild und Raumtonerlebnis dieser Zeit vermitteln, was in den sog. Restaurierungen der Neuzeit verfälscht wurde.
  5. Der Friedrichstadtpalast, auf den Trümmern des Staalichen Schauspielhauses entstanden, ist als Kino nur bedingt geeignet. Leider überzeugten weder Leinwandgrössse noch 35mm-Ausleuchtung und Bildschärfe in diesem Haus, man fühlte sich wie in einer Tropfsteinhöhle. Ausstellungen zu Berliner Filmtheatern können lange vor dem IFB-Event gemacht werden. Die Konvolute sind grundverschieden (bei uns etliche tausend Motive, auch Bezirkkinos), und die IFB alleine im Kooperation mit den bekannten Archiven kann somit einiges zusammenstellen, aber nichts, was dem gewaltigen Anspruch gerecht würde: die die Archive geben das einfach nicht her. Da war Kosslick etwas zu optimistisch wohl, alle Kinos von Anbeginn dokumentieren zu wollen. (Ich habe ja noch keine endgütlige Absage bekommen, aber rechne auch mit keiner Zusage - denn den SDK dürfte an der Besetzung des Themas interessiert sein, schon um alternative Museumsgründungen zu verhindern.) Betrachtet man den dünnen Retro-Katalog in diesem Jahr, so wird auch dieses gewaltige Thema nur selektiv abgehandelt werden können. Es gibt ja verschiedene Widescreen-Festvials, so eben auch differente Filmtheaterhistoriographien.
  6. Unterstellungen sind leider kein guter Stil. Weder CLIPPER noch Bundesarchiv wurden hier kritisiert. Achtung Karlsruher Lobby: falscher Thread!
  7. Schön, dass Herr Kosslick unsere Idee übernahm. Wir fragten drei Wochen vor Festspielbeginn in seinem Büro an, ob wir kuratieren dürften. Kuratieren dürfen wir jetzt zwar nicht, aber "Ideenübernahme" ist natürlich der persönlichen Schamgrenze unterworfen ... [ein schlechter Stil der IFB-Leitung!] Die heute letzte 70mm-Vorstellung im 'Kino International' brachte einen natürlich ausverkauften LAWRENCE OF ARABIA - in der bis dato traurigsten Kopie überhaupt. Daß der Film auch noch in schwarz-weiß und Video unterhalten würde, ist unschwer zu erahnen. Einen derart braun-grünlich angegrauten Look aber hat die Welt von einem David-Lean-Film wohl nie gesehen: "bigger than life" ist darin allenfalls das Filmkorn. Der Veranstalter Kinemathek hätte mühelos auf eine der älteren Robert-A.-Harris-Restaurierungen von 1988 zurückgreifen können, die farblich intensiver, neutraler und in den Kontrasten ausbalancierter sind. Ignoranz und Leichtfüssigkeit wurden also wieder einmal auf dem Rücken der Zuschauer ausgetragen, bei denen eine gewisse Toleranz an Leidensfähigkeit oder Unvoreingenommenheit vorausgesetzt wird. Verkaufstechnisch hatten somit auf den IFB 2009 nicht die besten Kopien Vorrang (etwa als Folge der angeblich hochintensiven Recherche für das 70mm-Projekt, was sich jetzt als PR-Blase erweist), sondern die neuesten Experimental-Versionen kooperierender US-Archive, denen man eine Plattform für Verkaufsveranstaltungen einräumte, auf denen jeder noch so abenteuerliche Wurf als grandiose Restaurierung abgefeiert wurde. Die jeweiligen Studioressortleiter wurden natürlich von Steuermitteln des Bundes eingeladen und als Kulturretter ins Scheinwerferlicht gestellt: Leute, deren Restaurierungsergebisse von den Filmemachern, würden sie noch leben, vermutlich in Grund und Boden gestampft würden. So geistert auch im Zusammenhang mit 70mm der Begriff "völlig unverfälscht" und "bigger than life" durch die Gazetten, stimuliert von Presseerklärungen des Kinematheks-Leiters, der kaum eine der hier eingeflogenen 70mm-Neuschöpfungen zuvor zu Gesicht bekommen haben dürfte. Wer nicht einmal in der Lage ist, seine Kinovorführungen in halbwegs unverfälschten Seitenverhältnissen über die Bühne zu bringen, der macht sich um so sorgloser zum eMail-Auswahlgremium für US-Restaurierungen, die sein deutsches Haus in erster Reihe neben die US-Studios stellen, die alle angeblich vorbildlich ihr Kulturerbe restaurierten (oder auch aus anderer Sicht formuliert: "ruinierten"). Event-Massenkultur dieser Art ist leider keine Grundlagen- und Quellenforschung, keine Rekonstruktion historischer Aufführungsweisen und keine Produktion bzw. Reproduktion kinematographischer Prozesse, wie sie ein Museum eigentlich zu verfolgen hätte, sondern die zur Retro 2009 praktizierte mediale Verblendung könnte bezüglich der 70mm-Revivals einmal zur einer Legitimation eines Fälschungsgewerbes ausarten. (Apropos: es soll Museen der Bildenen Künste geben, die mittlerweile Kopien aushängen und die Originale im Keller bunkern. Nur dürften hier die Kopien immerhin Ähnlichkeit mit dem Original haben, damit der Betrug nicht auffällt.) Nachdem die 70mm-Retro mehr als die Hälfte der verfahrenseigenen Ingredienzien ausser Funktion gesetzt hat, ist leicht ausmalbar, wie Leute, die praktisch nie im Kinobetrieb tätig waren (die gesamte Bordmannschaft der Deutschen Kinemathek beispielsweise), eine Filmtheaterausstellung kuratieren möchte. Der Presserummel der vorauseilenden Ehrenakkreditierten hierfür wäre ihnen zwar gewiss, aber das Ergebnis läßt sich schon jetzt erahnen.
  8. Die heute letzte 70mm-Vorstellung im 'Kino International' brachte einen natürlich ausverkauften LAWRENCE OF ARABIA - in der bis dato traurigsten Kopie überhaupt. Daß der Film auch noch in schwarz-weiß und Video unterhalten würde, ist unschwer zu erahnen. Einen derart braun-grünlich angegrauten Look aber hat die Welt von einem David-Lean-Film wohl nie gesehen: "bigger than life" ist darin allenfalls das Filmkorn: die Day-for-night-Aufnahmen waren gänzlich "abgesoffen" und die Gesichter in den Innenaufnahmen teilweise zugelaufen. Der Veranstalter Kinemathek hätte mühelos auf eine der älteren Robert-A.-Harris-Restaurierungen von 1988 zurückgreifen können, die farblich intensiver, neutraler und in den Kontrasten ausbalancierter sind. Und übrigens auch auf eine hauseigene 70mm-Kopie der Restaurationsfassung zugreifen können, ähnlich der WEST SIDE STORY. (Besser noch als die Harris-Version des LAWRENCE OF ARABIA waren übrigens die deutschen 35mm-WA-Kopien von Mitte der 1970er Jahre, aber diese Minimalstandard erwartet man 2009 schon gar nicht mehr.) Ignoranz und Leichtfüssigkeit wurden also wieder einmal auf dem Rücken der Zuschauer ausgetragen, bei denen eine gewisse Toleranz an Leidensfähigkeit oder Unvoreingenommenheit vorausgesetzt wird. Verkaufstechnisch hatten somit nicht die besten Kopien Vorrang (etwa als Folge der angeblich so hochintensiven Recherche für das Projekt, was sich jetzt als PR-Blase erweist), sondern die neuesten Experimental-Versionen kooperierender US-Archive, denen man eine Plattform für Verkaufsveranstaltungen einräumte, auf denen jeder noch so abenteuerliche Versuch als grandiose Restaurierung abgefeiert wurde. Die jeweiligen Studioressortleiter wurden natürlich von Steuermitteln des Bundes eingeladen und als Kulturretter ins Scheinwerferlicht gestellt: Leute, deren Restaurierungsergebisse von den Filmemachern, würden sie noch leben, vermutlich in Grund und Boden gestampft würden. So geistert auch im Zusammenhang mit "70mm" der PR-Prosa "völlig unverfälscht" und "bigger than life" durch die Gazetten, stimuliert von Presseerklärungen des Kinematheks-Leiters, der kaum eine der hier eingeflogenen 70mm-Neuschöpfungen zuvor zu Gesicht bekommen haben dürfte. Wer noch nicht einmal in der Lage ist, seine Kinovorführungen in halbwegs unverfälschten Seitenverhältnissen über die Bühne zu bringen, der macht sich um so sorgloser zum eMail-Auswahlgremium für US-Restaurierungen, die sein deutsches Haus in eine Reihe mit den US-Studios stellen, die angeblich vorbildlich ihr Kulturerbe restaurierten (oder auch aus anderer Sicht formuliert: "ruinierten"). Event-Massenkultur dieser Art ist leider keine Grundlagen- und Quellenforschung, keine Rekonstruktion historischer Aufführungsweisen und keine Produktion bzw. Reproduktion kinematographischer Prozesse, wie sie ein Museum eigentlich zu verfolgen hätte, sondern die sich selbst nährende mediale Verblendung könnte bezüglich der 70mm-Revivals noch zur Legitimation eines Fälschungsgewerbes ausarten. (Apropos: es soll Museen der Bildenen Künste geben, die mittlerweile Kopien aushängen und die Originale im Keller bunkern. Nur dürften hier die Kopien immerhin Ähnlichkeit mit dem Original haben, damit der Betrug nicht auffällt.) Die Sichtung von PLAY TIME in der Faillot-Fassung, restauriert bei Arane Gullliver nahe Paris, war demgegenüber das kleinste der gesehenen Übel. Leider auch bereits gedupt, körniger als das Original und etwas rußig in den Hauttönen, konnte man aber nicht von einer "Schändung" des Originals sprechen. Halbwegs stimmte das Kopiergamma und die Entwicklung, sodass auch - anders als bei den Foto-Kem-Kopien - die Hintergründe nicht "absoffen". Ein paar weitere Korrekturkopien und eine stärkere Farbsättigung, und man könnte mit dieser Version leben. Schade nur, dass ein Grossteil der Studios ihre Restaurierungsaufträge an ein anderes Kopierwerk geben, bei dem anscheinend die Kette des Produktionsprozesses nicht konsistent ist. Dieses Kopierwerk wird sehr gut über sein fundamentales Unvermögen bescheid wissen, nimmt aber seit Jahren jeden Auftrag an, der ins Haus flattert. Es liegt auf der Hand, dass die derzeit gefeierten 70mm-Revival-Kopien in wenigen Wochen, wenn die Blu-ray-Versionen auf den Markt kommen, zurückgezogen oder eingestampft werden müssen. Dann entstünde das Dilemma, dass ein guter Anfang zwar gemacht wurde, aber aufgrund dauerhaft ignorierter Fehlleistungen letzlich dazu führte, das Verfahren endgültig einzustellen. Ähnliches hatten wir bereits vor 10 Jahren mit dem jüngsten Technicolor-Verfahren erlebt, das zumindest technisch einwandfrei arbeitete und auch dauerhaft vorzeigbare Filmkopien an den Start brachte.
  9. Mir wurde entfernt zugetragen, die 70mm-Zubehörteile für die jetzige Anlage könnten bleiben. Das formulierte ich vorsichtig um, sodaß "gute Hände im Hintergrund" sich bemühen würden. Sollte der Versuch keinen Anklang finden, werde ich aus dem Freundes- und Förderverein des Museums für Film und Fernsehen austreten.
  10. KHARTOUM wäre schon interessant (nicht die beste, aber auch nicht die schlechteste Kopie): bisher war anzunehmen, dass er nur dem amerikanischen Kontinent vorbehalten bleibt. :wink: Auch wenn keine echter 70mm-Charakter mehr auszumachen ist, eine akzeptable 35mm-Güte im unbeschnittenen Seitenverhältnis ist eine Besonderheit, die man herumreichen sollte! Da seit Tagen schon Danksagungen und Urteile der längst Zurückgereisten hier ihren Eintrag finden, sei gesagt, daß das Festival noch gar nicht zuende ist und die unterschiedlichsten Diskussionen mit Besuchern gerade erst angelaufen sind. Der Erfolg des Themas war von Anfang an ein Selbstläufer. Daß es die bestbesuchte Retro würde, hatte ich vor Monaten schon einmal angedeutet. Tatsächlich waren gerade jüngere Besucher sehr angetan, denen aufgrund heutiger Multimediaangebote bis hin zum HD-Content der Weg ins Repertorie-Kinos eigentlich schwer fallen sollte, denen aber auch der Vergleich mit der Original-Roadshow-Kultur fehlte. Die Zahlen sind aber zu relativieren: In den westdeutschen Grosstädten mit Roadshow-Revivals der bekannten 70mm-Titel noch Ende der 1970er Jahre, brachten es die Einzelwerke auf wochenlange Laufzeiten und bisweilen Besuche fast geschlossener Schulklassenverbände. Die sehr gefälligen und rekordsüchtigen Presseerklärungen der Berlinale-Retro wollen offenbar an ein Normalpublikum andocken. Tatsächlich kamen überwiegend Fachpublikum und A-Festivaltouristen, die mit derartigen Allgemeinplätzen m.E. geistig unterfordert waren. Der Blick auf der Veranstaltungsliste von in70mm.com zeigt noch keine Renaissance der 70mm-Auswertung, da ich darin nur die seit Jahren tätigen Festivalskinos entdecke. Der berliner Veranstalter ("Museum für Film und Fernsehen") ist der Auffassung, man könnte Memorabilien des mechanisch-photochemischen Zeitalters der Filmproduktion in die Medien-Arche-Noah am Potsdamer Platz hinüberretten. Das kommt sehr spät und ist an diesem Standort kaum vermittelbar. Das aktuelle Projekt des Kodirektors Dr. Klimpel befaßt sich mit der Internet-Präsenz der Bestände des Museums. Das ist - so hörte man auch von anderer Seite - ein "unaufhaltsamer Zug". Ich zweifle aber an der Publikumresonanz der dortigen Ausstellungen, sobald die exklusiven Exponate, vom 70mm-Film bis hin zur Marlene-Dietrich-Colletion, online abrufbar sind. Zwar könnte die Rendite der Gesamtinstitution steigen, allerdings zu Lasten der Dauerausstellung und des Kinospiels. Fehlende Foren, Gästebücher oder basisdemokratische Gremien nehmen da kein Wunder, wenn die unterschiedlichsten Retrospektiven-Themen mit jährlich wechselndem Anspruch von nur einer einzigen Person verantwortet werden, dem Direktor. Man muss schon Universalgenie sein, um derart komplexe Anforderungen erfüllen zu können. :wink: Positiv anzumerken ist, dass sich im Hintergrund einige gute Hände bemühen, die 70mm-Umrüstteile im "Kino International" nun doch im Hause zu behalten. Also der Import der WEST SIDE STORY war m.E. ein Schildbürgerstreich, zumal in Berlin eine (auch rechtsverbindlich) verfüngsfähige Version greifbar war. Die historische Aufarbeitung der Kinematographie-Geschichte war auf diesem A-Festival allenfalls auf Readers-Digest-Niveau publiziert worden. Andere Angebote wären aber vielleicht auch nicht gewollt gewesen.
  11. Der 70mm-Look ist heute ein anderer geworden. Beim Ton ist das weniger der Fall, selbst wenn die sog. Helmholtz-Resonator-Boxen, die obenstehend gescholten wurden, als minderwertig eingestuft werden müssen, denn schon in den 1970er Jahren waren die Magnettonwiedergaben über die bekannten Eurodyn-/Euronor- oder Bionor-Systeme oft verklirrt und dumpf geworden, sobald Magnetköpfe und Verstärker nicht gewartet wurden oder die Hochtöner beschädigt waren. Nunmehr erkenne ich einen "echten" 70mm-Look in den Dupkopien von STAR! und WEST SIDE STORY nicht mehr wieder. Neben stärkerer Körnigkeit gibt es eine Tendenz im Schwarz, die Zeichnungen absaufen zu lassen, wenn mit zu steiler Gradation verfahren wird, um auf Kodak Vision Premiere umzukopieren. WEST SIDE STORY sah heute in so gut wie allen Belangen schlechter aus als unsere gebrauchte Kopie vom Kamera-Original, deren Herstellung und Farb- wie Lichtwerte auf EXR 83er LPP-Material 1992 noch von Wise selbst überwacht worden waren. Der Korngrieseln aus dem Intermediate-Material hat sich in der neuen Dupversion noch deutlich herausgebildet, gerade in den Schatten, die nicht mehr neutral sind, sondern stark blau-grün daherkommen. Die Hauttöne drifteten zum Rot ab. Eine Art Farbkreuzung? Die ließe sich aber m.E. in vielen Fällen beheben. Vielleicht ist der Fehler auch nur in der Kopie situiert? Dann würde zumindest das Dupnegativ frei von diesen Kreuzungen. Von wann stammen die Kopien definitiv, zumal oft nur die Restuarationszeit des Originals angegeben ist? Der Film WEST SIDE STORY war zur Erstaufführung leicht purpur abgestimmt (sieht man noch heute an den Technicolor-Kopien von 1961, die im Look ähnlich den 70mm-EA-Kopien gewesen sein sollen), aber kein Giftgrün wie 2007. [Allerdings haben wir nur die letzten 45 Minuten des Films sehen können.] Da das Originalnegativ 1992 noch intakt war, aber jetzt nicht einmal für wenigstens eine einzige passable Festivalkopie mehr herangezogen wurde (wie wir es glücklicherweise aber bei HELLO DOLLY! erleben konnten), und zumal das Negativ auch einige Klammerteile und kleinere Schrämmchen aufweist, wäre dies leider ein Restaurierungs-Fall für einen 8k-Scan mit anschließender Rückbelichtung auf 65mm-Intermediate. Fazit: Das für die heute vorgestellte "neue" WEST SIDE STORY-Version hergestellte 65mm-Duplikatnegativ auf noch analogem Wege hätte man sich sparen können. Das gleiche möchte ich auf STAR! beziehen, der in neuer Kopie durch massiven Grünstich stört und in indifferenten Schattierungen absäuft. Sowohl die von uns noch 2001 in Oslo gesehene Vintage-70mm-Kopie (aus Stockholm kommend?), die vom Kameraoriginal gezogen war, als auch eine berlinerische, leider deutsch synchronisierte 70mm-Kopie (allerdings im Zustand von Anfang der 1980er Jahre) zeigte viel mehr vom Todd-AO-Look als diese Neu-Version. KHARTOUM hatte einen ähnlichen Grünstich, der aber durch die etwas hellere Korrektur kompensiert wurde. Insgesamt reichte der Eindruck bei weitem nicht an die noch farblich intakten Originalkopien aus der Zeit der EA heran. Es gibt Zeitzeugen der Berliner Erstaufführung, die von der Royal-Palast-Wiedergabe in höchsten Superlativen schwärmen: jedes Sandkorn in der Wüste hätte man zählen können. :wink: Immerhin war die neue Version aber auf dem Niveau einer passablen 35mm-Scope-Kopienschärfe, was für die meisten Gäste, die den Film noch nie im Kino gesehen hatten (wo denn auch?) immerhin noch ein Spektakelerlebnis darstellte. Die Ultra Panavision-Anamorphote müssen zwischenzeitlich nachjustiert worden sein, da deutliche Verbesserungen zur BOUNTY-Aufführung registrierbar waren. Unschärfen bei U.P. 70 waren bie KHARTOUM auf die Bildränder begrenzt, während am Tag zuvor (BOUNTY) noch die gesamte Bildmitte von Aberrationen übersäht war. Wie schon oben von anderen erwähnt wurde, wird in beiden Kinos die Bildschärfe konsequent überwacht und nachjustiert. Vom "bösen" Vorführer darf also keine Rede sein - die sind die einzigen, die hier etwas Brauchbares leisteten.
  12. Möchte vorschlagen, für die heutige KHARTOUM-Präsentation auf die kaputten Ultra-Panavision-70-Objektivvorsätze zu verzichten. Also eine rein sphärische Bildwiedergabe mit den vorhandenen Standardobjektiven wäre vielleicht wünschenswert. Das Schirmbild wird zwar eine leichte Stauchung aufweisen, an die man sich jedoch gewöhnt. Die Bildfläche würde auch voll genutzt werden und die Projektion mit den Streifen vermieden werden. Ultra Panavision 70 ist zwar eine feine Sache, aber wenn hierfür die Kinos keine ausreichende Wandbreite bieten, und da die defekten Objektivvorsätze das Bild bisweilen sogar unterhalb des Videoniveaus drücken, und weil der fette Balken im oberen Bilddrittel einfach nur stört, so sollte man lieber unter den gegebenen Bedingungen der 70mm-Standardprojektion jetzt ohne Anamorphosen arbeiten, d.h. das pure, unverwaschene Bild der 70mm-Kopie 1 : 1 auf die Bildwand werfen. Ein kontroverser Vorschlag, aber vielleicht trifft er bei den Retromachern doch noch auf Geschmack. Einfach kurz austesten und sich überzeugen lassen, das dauert nur drei Minuten. Man kann dem Publikum auch erklären, dass die seltenen Vorsätze nicht mehr in vorzeigbarer Funktionsweise guten Gewissens eingesetzt werden können und die Erfahrungen mit MUTINY ON THE BOUNTY zu dieser Entscheidung geführt haben. Oder, daß das hierfür hergerichtete MGM-Theater Kurfürstendamm nun einmal 1977 abgerissen wurde, aber mit 10 x 27 Metern über die passendere Bildfläche und Raumbreite verfügte. Übrigens war die Projektion dort kristallklar und verfügte über einen Bildstand "wie ein Dia", wie es so schön heißt. :wink:
  13. Es geht bei FLYING CLIPPER um die Herrichtung vom Auto-Select-Printing (siehe auch LAWRENCE OF ARABIA) zum Einschnittnegativ. FLYING CLIPPER habe ich in der besagten Nacht gesehen, er läuft morgen ein weiteres mal um 10.00 Uhr in einer nachholenden Sondervorstellung im 'Kino International', wobei die Eintrittskarten für die 'CineStar'-Vorführung Gültigkeit behalten. Insofern hat sich der Veranstalter kulant verhalten, da ihm ganz alleine (und am wenigsten dem engagierten, idealistischen Vorführer) die Multiplex-Misere oder deren Industriegüter nicht zum Vorwurf gemacht werden können. Allerdings: hier, im 'CineStar 8', hätte man mehr Geld ausgeben können: für grössere, formatgetreuere Bilder und eine magnetische Tonwiedergabe, aber auch für normgerechte dts-Toneinmessungen resp. Lautsprecher-Installationen. Das Abfließen des Geldes in die völlig willkürliche 'International'-Projektonsentfernung (Wunsch der Skandinavier) hat für das 'CineStar' scheinbar Folgen gehabt. Gerade auch das "Sparen" an Löhnen für die Filmvorführer hat sich nicht bewährt: zumal auswertige Experten von der Kinemathek recht kühl abserviert wurden, wie man heute hörte. Dieser Berufsstand ist offenbar nur noch ein notwendiges Übel in den Augen der Institutionen? Niedriges Handwerk, hohe Muse? Zur Bildgüte von FYLING CLIPPER könnte man viel sagen, aber @preston sturges hat ja bereits eine Vorbewertung getroffen. Die Kopie ist scharf und vom Original kopiert, das stimmt. Jedenfalls war ich froh, heute eine ältere Vintage Print von RYANS DAUGHTER, zu nur etwa 60% gefadet, sehen zu können. Der dynamische Magnetton war sehr beeindruckend, das Bild in den Reihen 1-4 auch einigermassen wirkungsvoll. Beeindruckend die Sauberkeit des Negativs: nirgendwo ein Schrämmchen, Staub oder Punkte. Eine herausragende Filmkopierung von 1970, als die Kino-, Kopierwerks- und Aufnahmetechnik ihren Höchststand erreicht hatte. Bei einem perfektem Projektorbildstand wäre das glatt noch als "digital" durchgegangen, könnte man sich vorstellen. Leider werden in dem einen Retro-Kino an der Karl-Marx-Allee Hinweise auf mangelnden Kufendruck (eine Viertelstunde lang zitterte das Bild des ersten Aktes in RYANS DAUGHTER in hohen Wellen) erst nach massiven Begründungen weitergeleitet. Man ist offenbar von der Kinemathek nicht ausreichend geschult worden, sodass für die m.E. überforderten Mitarbeiter kaum mehr wahrnehmbar ist, ob ein Publikumshinweis/Beschwerde substantiiert ist, oder ob es subjektive Empfindlichkeiten (wie das Dauergerangel um zu leisen oder zu lauten Ton) sind, sodas ein ernsthafter (oder ein Insider-) Hinweis als solcher nicht mehr als Hilfestellung erkannt wird, wenn die Funktionsbereiche Saalbetreuung und Vorführung sowohl in den Stellenprofilen, als auch lokal voneinander getrennt sind. Psychologisch ausgedrückt: da ist nachvolliehbar, dass keiner in das angestammte Revier des anderen vordringen möchte und ihm sagt, "wie" es zu machen ist. Ein altes Kinoproblem, aber während der Filmfestspiele immer wieder verhehrend. Vielleicht hängt es damit zusammen, daß in der digitalen Neuzeit eine Filmrolle etwas so Exotisches ist, daß man sich darüber lustig macht, anstatt die Ästhetik und Technik des transparenten Materials ernsthaft zu erforschen. Die erschienene Publikation "Bigger than Life" jedenfalls ist hier wenig inspirierend und thesenbildend. Schade. Sehr brüchige Zeiten für die Repertoirepflege.
  14. Ich hab mich hier vertippt und meinte eine Schätzung von über 95%. Eine sehr grobe Schätzung. Entschuldigung. Sind noch mehr Tippfehler drin, die ich jetzt so stehen lasse.
  15. Das Bild auf Proejktro B ist noch mulmiger als auf Projektor A. Hierfür mache ich die massiven Bildstandsschwankungen und vor allem das Flackern er Umlaufblende (ein Einstellvorgang von nur wenigen Minuten) verantwortlich. Du hast von MY FAIR LADY eine Kopie vom Kamera-Original gesehen, die perfekt auf das Eastmancolor-Positivmaterial ausgerichtet war. Diese Perfektion haben heutige 70mm-Revivals leider nirgendwo. Die BOUNTY ist seinerzeit vom komprimierten Kameraoriginal kopiert worden. Über Fehlkopierungen dieser Version habe ich noch nie etwas gehört, und so ist das vollends schwammige Proejktionsbild zu 100% einer Fehllleistung in der Zusammenstellung der Projektionsoptiken zu verdanken, wobei die 50 Jahre alten und oft defekten Panavision-Vorsätze (Dekompressionsfaktor 1.25x) zu über 98´5% einen Anteil haben. Das aber wußten die meisten, dass eine legere Adaption dieser Vorsätze ein hohes Risiko darstellte. Nicht hinterher, sondern bereits vorher war man bereits klüger! Wahre Worte. Treffen auch auf die berliner Europacenter-Kinos zu, in denen es nur vier Jahre nach Eröffnung rasant bergab ging. :wink:
  16. http://www.tagesspiegel.de/kultur/kino/...92,2729487
  17. Die BOUNTY konnte man vor anderthalb Jahren bereits auf einem anderen Festival in einer Altfilmkopie mit Original-Magnetton beschauen, in der auch die Kanaleinpegelung angemessen war. Selbstverständlich hat dieser Film eine dominante Effektspur: dies betrifft die Musikouvertüren und Pausenmusiken eben so wie die Sturmsequenz, was auch auf die im Ton jetzt digitalisierte Version von CLEOPATRA zutrifft. Von der Güte des volldynamischen Magnettons beider Filme war in den Vorstellungen im 'Kino International' nichts mehr übrig geblieben. Weder war, wie @Filmuwe richtig bemerkte, der Magnetton korrekt gepegelt worden, noch konnte, so eine weitere Erfahrung, die dts-Version von CLEOPATRA an die alte Magnettonkopie (wir verfügen über eine solche, auch wenn sie wegen Color Fading ausser Betracht fiele) auch nur entfernt heranreichen (was sie auch auf DVD nicht tut). Technisch ist ein Transfer einer originalen Magnetton-Mischung auf einen dts-Träger für Todd-AO-Special Venue-Layout zwar durchführbar, ob aber die Spielpraxis ein adäquates Sounderlebnis hergibt, das, blumig formuliert, besser sei, als alles was man je zuvor hörte (so steht es oben geschrieben), wird von meiner Seite höflich in Abrede gestellt. Zurück zur BOUNTY-Vorführung: meinen Lebtag habe ich noch nie ein derart unscharfes Bild gesehen. Ein Kompendium sämtlicher Optikfehler reiht sich hier auf: astigmatische Aberration, Koma, chromatische Aberration usw. die kein Ende mehr nehmen. Wer Glück hat (@Mr. Sturges), der erwischt noch eine brauchbare Optik, mit der immerhin die BOUNTY vor anderthalb Jahren voll zufriedenstellend vorgeführt werden konnte. Wer diese mittlerweile 50 Jahre alten Panavision-Vorsätze aber genauer kennt, weiß auch um überwiegend auftretende Schäden an den Gläsern, sodass @stefan2 schon seit Jahren vor ungeprüftem Einsatz dieser Vorsätze warnt. Leider war die BOUNTY auf den IFB 2009 ein Griff in die Mülltonne. Hymnisch gelobt werden auch die Fox-Neukopierungen seit geraumem, die nunmehr sogar zu Nachbestellungen führten. Dazu Folgendes: Wenn die Nachbestellungen zu weiteren Korrekturen führen (was ich für HELLO DOLLY vermutete), wäre dies zu begrüssen. Da aber noch zu Beginn dieser Revivals der Eindruck entstand, es bliebe bei einer jeweiligen Nullkopie, hat sich Fotokem nicht gerade Freunde dort gemacht, wo man die Filme noch sehr genau kennt. Was bisher jedenfalls auf den Markt geworfen wurde, waren zu 90% Ausschusskopien und eíne Beleidigung für das Todd-AO-Verfahren. Sollte jetzt nachkopiert und korrigiert werden, ziehe ich die Anwürfe sofort zurück. Sollten aber weiterhin Versionen wie CLEOPATRA, LAWRENCE OF ARABIA, WEST SIDE STORY, SOUND OF MUSIC, 2001: A SPACE ODYSSEY, STAR!, PATTON, DOCTOR DOLITTLE oder LA BIBBIA als "beautiful restored prints" beworben werden, so darf am Urteilsvermögen derjenigen, die so schreiben, erheblich gezweifelt werden. Irren ist sicher menschlich und auch nichts Schlimmes, aber man sollte sich vor subjektiven Umdeutungen der Geschichte, die bestenfalls dem Magenbefinden oder einem emotionalisiertem Nostalgie-Gewerbe entsprechen, möglichst hüten. Die helle Decke im 'Kino International' betreffend steht eine theoretische Aufhellung der Bildfläche nicht in Zusammenhang mit der Kornschärfe. Trotz neuester berechneter Objektive ist das Korn nicht scharf zu kriegen. Also ich vor einiger Zeit beim seligen Chef-Vorführer Lippkow einen Test mit mehreren Optiken aus der Fotoindustrie (Mittelformat-Kameras wie Mamiya u.a.) unternahm, war man erstaunt, wie hochauflösend ganz normale Consumer-Optiken selbst im Vergleich zur teuren Ultra HD-Plus-Serie in der Kinoproduktion sein können. Diese Kornschärfe vermisse ich sowohl im 'CineStar 8' wie auch im 'Kino International'. Schon BARAKA in neuzeitlicher Projektion war gestern zum Kulturschock geworden. In dieser mangelnden Auflösung, Formattreue und Bildplastik bitte kein weiteres Mal!
  18. Ich wußte gar nicht, dass Filmgeschichtler eine "maßgebliche gesellschaftliche Gruppe" darstellen... Wer ihn aus alten SDS-Zeiten und den frühen dffb-Seminaren kennt, weiß wie wandlungsfähig dieser Mann ist (ein geborenes Chamäleon!). Ein früherer Student (und Kommilitone der damaligen Rebellen Bitomski und Holger Meins) erzählte mir, er sei immer der "Kofferträger" (Assistent) )von Heinz Rathsack gewesen und auf diese Weise in der Hierarchie wie von selbst nach oben gefallen. :D Wovor er sich m.E. stets graute: zu viel Technik, monströse 70mm-Kontainer, eine basisdemokratische Mitbestimmung und die Heranziehung von Fachleuten. Das tolerante Mittelmaß konnte daher nur im Fernsehrat enden, zumal HHP, der übrigens über eine beachtliche Filmtheaterkenntnis in dieser Stadt verfügt, seit langem schon desillusioniert war.
  19. BARAKA heute die nächste Ernüchterung: neue Kopie, zwar etwas hell, aber dennoch wunderbar abgeglichen und eigentlich ein "photochemisches Fest für die Sinne". Nicht aber in 'CineStar - mein Traumpalast' - oder wie das Gebilde sonst heissen mag... Die Leinwand ist für BARAKA viel zu klein und zu flach: eine Blu ray hätte sogar bessere Dienste verrichtet, denkt man an den mittlerweile schwachen Bildstand auf Projektor A und den ganz üblen Bildstand auf Projektor B (ein ständiges Zittern!). Die statischen Panoramen gerade in der Eröffnungssequenz (Bergaufnahmen) werden so zur Tortur und illusionsraubend: das ist der Sargnagel für Todd-AO. Als der Film vor 16 Jahren im 'Filmpalast Berlin' Premiere hatte (3 W. Laufzeit), stand das Bild wie eine Eins, und selbst Kornstrukturen des Bildes waren auszumachen (25 Jahre altes Cinelux Ultra MC 70 Spezial, f = 60mm). Das soßige Bild in den langbrennweitigen Potsdamer-Platz-Kinos bügelt das glatt bis zum Abwinken. Mit Pathos kündigte der Saalbetreuer sodann die neue Kopie und den angeblich fulminanten dts-Ton an (und hierfür gab es irrationalen Applaus); sobald der Film aber anlief, hörte man bis zum Ende nur noch "Flüstertüte". Einzige positive Begegnung war ein Gespräch mit dem freundlichen Projektionisten, der die Branchenprobleme kannte und sich auch den Hinweis auf das Phänomen der Projektionsunschärfe beim 70mm-Format in Verbindung mit langer Brennweite anhörte. Vielleicht findet die Idee mit dem Fernglas sogar Gehör. :) Er hatte schon gestern noch die Einzelaktprojektion von FLYING CLIPPER gerettet, wofür eigentlich eine Prämie fällig wäre! Jedenfalls hat sich die Wartungsfirma nicht mehr blicken lassen, und der Bildstandfehler auf FP-75 E ist nur mit Spezialsoftware (womit kaum einer umgehen kann) lösbar. Also wird das Problem bis zum Einbau von Digital Cinema wohl auch nicht mehr gelöst werden, und Todd-AO, bekannt für seinen "rock steady"-Bildstand, wird weiterhin auf einem Niveau weit unterhalb einer defekten Stummfilmprojektion dargeboten werden. Der Mangel an erkennbaren Bilddetails in BARAKA in multiplexaler Projektion, die aber im Auftrag der Kinemathek hergerichtet und verantwortet wird (wer sonst?), relativiert somit den guten Ansatz schon im Vorfeld auf die Stufe des Substandards. Das seitlich abgeschnittene Bild wurde immer noch nicht aufgefahren. Scheinbar ist niemand zuständig für den Technik-Service, und sowas auf einem A-Festival mit dem anspruchsvollsten Wiedergabeverfahren der Filmgeschichte. (Was waren das für Goldene Zeiten im Programmkinosektor, wo liebevolle Betreuung immer wieder Verbesserungen und Neuerungen mit sich brachte. Die Logistik der Technik-Wartung auf den Internationalen Filmfestspielen Berlin ist dagegen seit Jahren ein Fiasko, wo niemand irgendetwas anderes zu lieben scheint, außer seinem Honorar für Schlechtleistungen.) Diesen Wechsel fordere ich seit Jahren, wird aber als Anschlag auf die Ehre des Festivals bewertet. Im Dezember wurde von der Festspiele GmbH eine Asssitentenstelle des Technischen Leiters ausgeschrieben. Außer Erfahrungen im IT-Bereich (die ja für die Digitalserver noch Sinn machten) wurden keine weiteren filmischen oder kinobezogenen Qualifikationen aufgeführt. Die Festspiele GmbH weiß offenbar nicht, dass zur Bewertung von audoovisuellen Medien ein eminentes Fachwissen erforderlich wäre, das mit diesem Stellenprofil wohl unvereinbar ist Auch hier wieder einmal: eine weltfremde Behörde. :oops:
  20. Wundert kaum, in anbetracht heutiger Filmfotografie und Ausleuchtung. Trotzdem kam nur die Hälfte von dem an, was 70mm einst ausmachte, und selbst hier sticht noch eine CLEOPATRA ins Auge. Insofern gilt es den Rückblick auf Roadshowtheaterkulturen zu schärfen, eben so aber auf intakte Neukopierungen. Und dieses Wegbrechen würde ich nicht unbedingt als zauberhaft empfinden. Jedenfalls bietet die Vorgeschichte bereits anhand der IFB-Publikation "CinemaScope" von 1993 Anlass zur Richtigstellung. An fast jeder Universität werden die Formathistoriographien unberichtigt abgeschrieben oder auswendig gelernt. Daher ist eine Art Dan-Sherlock-Aufarbeitung (die fachlich herausragende Korrektur der Errata in "Wide Screen Movies") sehr wichtig geworden, die wir demnächst ins Netz stellen möchten. Sehr schön auf den Punkt gebracht. Gerade das Kokettieren mit Unvollkommenheiten und der "Patina" der Geschichte weckt Neugierde und ehrliche Zuneigung zum Veranstalter. Leider ist den PR-Texten der Retro das Gegenteil zu entnehmen: ich distanziere mich von solchen Äusserungen mit Nachdruck, sie stellen eine Torheit ohnegleichen dar und frisieren die Geschichte zugunsten des IFB-Images. Ja, und der Hype um 70mm ist ein Spinoff-Effekt des DVD-Marktes. Einerseits verringert dieser Markt die Potentiale des ortsfesten Filmtheatermmarktes generell, andererseits konnten auch Nischen durch Bonus-Dokumentationen entwickelt werden, die das Wissen um die Filmherstellungsprozesse mehrten. Eines aber stellt sich nicht mehr ein: ein Zauber der Jugendzeit, der durch das monatlange Warten auf exklusive Roadshow-Starts oder Monumental-Revivals noch bis Ende der 1970er Jahre die Alleinstellungsmerkmale der Spektakel-Kinos zum Ausdruck brachte. Es gehört zur Verehrung und Pflege der Roadshow-Geschichte dazu, auch auf die Veränderungen hinzuweisen, die uns heute einen entweder freieren Medienzugang oder auch nur die Demontage einst selbstverständlicher Kinostandards bescheren. Man kann durchaus mit Guy Debords Spektakelkritik beginnen, um in erneutem dialektischen Umschlag den Naturalismus der tradierten, analogen Produktionsweise als etwas Widerständiges heute zu entdecken. Diesen Ansatz verfolgten vermutlich auch die Retro-Macher, die sehr genau verfolgt haben, daß ein Kinosterben am Westberliner Boulevard und andere Veränderungen in den Sujets heutiger Spektakelfilme in der Kinoauswertigung zunehmend Ableger des Game-Marktes oder der Internetkultur sind. Diese Sichtweise wäre die einzige, die die These rechtfertigt, die 70mm-Retrospektive komme zu rechten Zeit. Wünschenswert wäre sie in den 1980er Jahren gewesen und hätte m.E. die Filmemacher beflügeln können. Jedenfalls war schon in den 1970er Jahren vorhersehbar geworden, daß die Kinos mit großen Panorama-Bildwänden Fossile einer absterbenden Kinoepoche waren (mittlerweile angestaubt, duster und zunehmend ungepflegt) und daher auch die Anziehungskraft der Kinocenter und Schachtelkinos (wo in zumeist mit moderner Bestuhlung gepolsterten Kammern gar hellere und schärfe Projektionen und klarerer Ton geboten wurden) nicht mehr aufhalten konnten. Sollte das klassische Erstaufführungshaus an der Karl-Marx-Allee ab Mitte Februar in den Genuss marktwirtschaftlicher Flubereinigung kommen (Demontage des 70mm-Formats nach 45 Jahren), werde ich dort keine Filmvorstellungen mehr aufsuchen. Sicher aber ist: in Berlin wird es immer 70mm-Vorführungen und andere Exotika der Kinematographie geben, dazu sind mittlerweile zu viele Personen an diesem Thema interessiert.
  21. Der Ausbau der UP 700 wurde tatsächlich von Archiven mit "nicht besonders filmschonend" begründet. Da ich selbst einst Anhänger dieser Auffassung war, möchte ich sie heute revidieren. Grund war ein Test mit stark geschrumpftem und rissigen Material, das auf anderen Bildwerfern weit häufiger gerissen war. Bzgl. des Wunsches der Archive ist der Veranstalter natürlich immer in der Bedrouille. Dennoch hätte er Sorge tragen können für eine gründlichere Aufbereitung der jetzigen Wunschbildwerfer der Archive, der DP-70-Projektoren. Die Zuschauerresonanz auf die Mammutreihe ist dennoch positiv. Es ist daher schwer, mit noch so berechtigten Anliegen und Hinweisen aufzuwarten, die ausmalen, wie viel besser es hätte werden können. Das Publikum entscheidet hier spontan, und die Besserwisser werden als Spielverderber angesehen. Zudem läßt sich kein Veranstalter die Deutungshoheit nehmen. Dass die Hinweise und Kritiken trotzdem wichtig und auch ethisch vertretbar sind, läßt sich aktuell aber mit der Systemkonkurrenz der HD-Home Cinema-Medien zu den Rudimenten des Filmrepertpoires in heutigen Kino gut begründen. Der hier vorgetragene Wunsch (oder die Kritik) nach weiteren Neukopierungen resultiert aus der Annahme, dass die derzeit sakrosankt gesprochenen Restaurierungen den nächsten Monaten oder sogar Wochen nicht standhalten werden. Dies finde ich besorgniserregend: denn die Reaktion auf sichtbare Änderungen in den Kopien lautet nicht selten, 70mm war nie anders und besser und - das ist mittlerweile der Kanon der Geschichtsbilder im Publikum, dass von Schreckensmeldungen über komplett gefadete Negative eingeschüchtert wurde - es wäre heute nicht mehr anders herstellbar. Nicht vorzuwerfen ist dem Veranstalter allerdings - dies hatte ich im Überschwank angekreidet - ihm sei das Thema aus exogenen Faktoren zugefallen oder oktroyiert worden - es sei kein inneres Anliegen gewesen. Jedenfalls hat man mir deutlich gemacht, dass damit die Grenze zur Beleidigung überschritten sei. Ziehe diesen Vorwurf zurück, ein Fehler. Aber man bleibe hier ruhig bei den nicht erreichten Zielen (denn durch die Presseerklärung sind sie vorgegeben), die als "nicht eingelöst" kritisierenswert sind, sobald der Anspruch eines einst perfekten Filmverfahrens beständig kleingeredet oder uminterpretiert wird. Das Todd-A0-Verfahren konnte, sollte man annehmen, nur deshalb reüssieren, weil damalige Verleihkopien indertat perfekt hergestellt wurden (die wenigen Ausnahmen mögen Kenntnisreiche aber gerne hier benennen...). Nicht immer perfekt allerdings ist die Arbeit einiger Kameraleute gewesen, was jedoch zu trennen ist von der Postproduktion oder einer Filmvorführanlage. (Im "International" wird jetzt massiv die Schärfe kontrolliert, nach der Erfahrung mit dem nicht immer konsistenten Material: der Punkt wird getroffen, was ungemein schwierig ist. Aber auch Ausleuchtung, Bildbühne und Planlage dürften Faktoren der Schärfewanderung sein). Ein Beweis dafür, dass mehrere Korrekturstufen auch Fortschritte bringen (hatte damit nicht mehr gerechnet), ist HELLO DOLLY!. Wenn jedoch das Fachpersonal in den Kopierwerken ausgemagert ist, wierden solche Teilerfolge jedoch noch nicht mit der dritten Korrekturkopie erreichbar sein. Da weiters in der Stammkundschaft der Retrospektive plötzlich selbst die DIN- oder SMPTE-Norm relativiert wurden und die gegebene Projektion (entweder 2 : 1 oder anderenorts 2.35 : 1) als korrekt erachtet wurde, sei hier kurz noch einmal die Norm der Todd-A-O-Kopienwiedergabe erinnert: Der Vorschlag, durch Suchermaskierungen auf einer westlichen 65mm-Kamera mit einer Aspect Ratio von 2.35 : 1 die spätere Umkopierung und Bildhöhenverminderung auf 35mm-Scope (oder auf kompromissweise Wiedergabe auf Scope-Leinwänden) schon im Vorfeld zu berücksichtigen, steht konträr zum Verfahrensursprung, zur Branchenpraxis oder zur Negativbelichtung der hinlänglich bekannten, älteren 70mm-Klassiker. Auch in neueren Spielstätten (z.B. 'Kino Arsenal') wurden die Bildmaskierungen bei 70mm-Projektion am 2.2 : 1- oder am 2.21 : 1-Standard geplant (und dennoch fehlt rundherum Bildraum, der beschnitten ist). Die Komposition der sog. "echten" 70mm-Filme der 50er und 60er Jahre folgt aufnahmetechnisch dieser Vorgabe: Beschneidungen sind daher sichtbar und sogar "spürbar": in ihrer plötzlichen Verengung der Perspektiven. In vielen Fällen des 70mm-Repertoires gibt es heute im Seitenverhältnis getreue Videomedien, die man ggf. heranziehen könnte, um den fehlenden Bildraum zu erkunden. Und natürlich lohnt immer einer Blick auf die Filmkopie selbst, zumindest bei Testläufen auch ohne Projektionsmaske.
  22. Also wieder (nach der gestrigen Berlin-Premiere von Schawn Belstons Meisterwerk "Die Schatten der Cleopatra", USA 2006) zur lichten Seite des Festvals: MUTINY ON THE BOUNTY (USA 1961, Ultra Panavision 70) könnte heute ein Highlight werden: keine Dupkopierung und auch keine tonlich verfälschte Digitalversion, sondern ein Vintage Print mit noch vorhandenen Farben aus der Premierenzeit mit original 6-Kanal Magnetton, voll dynamisch und direktional. Kopiert vom Originalnegativ - also keine Duplikatschritte zwischengeschaltet. Ähnlich wie bei CHEYENNE erwarte ich hier das "echte" 70mm-Kino (nur das hierfür leider die Überwandbreite/Breitüberwand/Überbreitwand des grandiosen Royal-Palastes eklatant zu fehlen scheint.) :wink: Später dann die FLYING CLIPPER-Neukopierung im 'CineStar'. Hoffentlich diesmal in unbeschnittener Projektion.
  23. Gerade eben in CLEOPATRA im 'Kino International' wieder unruhige Bildstände und suboptimalen Ton erlebt. Die grelle Bühnenbeleuchtung bei der Ouvertüre war leider alles andere als eine adäquate Einstimung. Und bei Anstimmen der Nachmusik wurden Bühnen- und Saallicht sofort voll aufgedreht: so wurde die Stimmung schlagartig beeinträchtigt und signalisiert, der Gast möge sich nun langsam auf den Weg machen. Offenbar nicht optimal an die Spiegellampen angepasste Objektive erscheinen dort wenig geeignet zur Auflösung des real existierenden Filmkorns, und der Bildbeschnitt des Norm-Formats von 2,2 : 1 auf "CinemaScope"-Seitenverhältnis (d.h. hier 2.39 : 1) zeigt einen projektionstechnischen Wartungszustand, der in den letzten zwei Jahrzehnten auf den IFB der Regelfall zu sein scheint? So viel Willkür in Technik und Präsentation war vor 50 Jahren bei der Premiere des 70mm-Todd-AO-Verfahrens im Delphi-Filmpalast am Zoo noch völlig undenkbar. Wie hier 2009 ein Museum für Fernsehen und Film eine Kinoreihe durchführt, kann nur als letzter Seufzer vor Schliessung der letzten schönen Kinos eingeschätzt werden. Zu den perfekten Restaurierungen: Die von Schawn Belston neu kopierte 70mm-Fassung von CLEOPATRA (Duplkatkopie) hat nicht die geringste Ähnlichkeit mit den 70mm-Premierenkopien, aber auch nicht mit 35mm-Technicolor-Kopien, mit Agfacolor-WA-Kopien oder der (aufgrund des vorliegenden, zeitgenössischen Interpositivs) in etwa farbgetreuen DVD des Films. Wenn sich dann der 70mm-Retroleiter (Museum für Fernsehen und Film), der kaum eine der eingesetzten Kopien vorher gesehen haben dürfte, hinstellt und sagt: "Völlig unverfälscht! Bigger than Life!", so weiss man, was man vom Zustand der Filmhistorik und Wissenschaft am Potsdamer Platz zu halten hat.
  24. Eine unbearbeitete Rohmaske würde aber auch die Bildhöhe beschneiden. Haben die im Saal 8 noch nie 70 mm vorher gespielt? Wer ist dann für die Technik verantwortlich? Wie klappte es mit Ouvertüren, Pause, Saallicht und Vorhang? War da wenigstens das timing richtig? Möglicherweise hat man nur die Höhe ausgefeilt und dann die Flucht ergriffen. :wink: Das Vorhandensein von Ouvertüren ist den Mitarbeitern durchaus bewußt, es wird zumindest der Vorhang halbwegs "standesgemäss" gefahren. Aber an den Feinheiten (Saallicht auf Dia oder Vorhanglicht leicht gedimmt) fehlt es absolut. Der (eigentlich traumhafte schöne) Vorhang des 'International' schluckt hörbar an Höhe und Tonvolumen (dem könnte man aber am Saalregler Rechnung tragen, indem lauter begonnen würde), im 'CineStar' dagegen dringt die Musik erstaunlich gut hindurch (trotz eines grell-roten, eher konventionellen Vorhangs).
  25. CHEYENNE AUTUM (in einem alten, teilweise recht farbigem Vintage-Print) war heute vielleicht das adäquate Modell für eine starke Bilddynamisierung trotz statischer Kamera. Hier gären die Konflikte vor und nicht hinter der Kamera, und das Spiel der Gegensätze wird über Linienführungen ausgetragen, die wie eine exakte Route abgewandert werden. Auf abstrakte Weise finden sich Achsenspiele ähnlich in der Designkunst von Saul Bass-Filmtititeln: auch hier bleibt die Kameraposition zumeist statisch. Grandios war dann der Umgang mit Blenden und Doppelbelichtungen im russischen Film FLAMMENDE JAHRE von 1959, der lange vor Terrence Malick ("Der schmale Grat") Kriegserfahrungen und Naturmystik als existentielle Triebkräfte propagiert. Leider war der Film in schwacher, gefadeter Sovcolor-Kopie zu sehen. Formal sehe ich eine Überlegenheit zum westlichen 70mm-Ouevre, inhaltlich und psychologisch jedoch eher stärkere Klischees. 5 wenig leistungsfähige Frontlautsprecher für SDDS. Und das reduzierte Seitenverhältnis läßt auf Nichtbearbeitung einer Rohmaske schliessen. Aber auch im 'International' machen die DP-70-Projektoren kein wirklich gutes Bild. Zum einen wirkt das Bild nicht kornscharf, sondern leicht milchig (evtl. unpassender Lampenblock und falsche Optik?), und der Bildstand ist wirklich bescheiden - insbesondere zeigen sich auf einem der beiden Bildwerfer geradezu störende Schwankungen (das bekannte 6 Hz-"Tanzen" aus dem 'City im Europacenter', dem man schon 1977 begegnen durfte), und die Umlaufblende flackert deutlich (d.h.: helle Bildpartien flackern intervallartig in dunkle hinein). Leider ist das Bild im 'CineStar 8' derzeit vergleichsweise ruhiger und auch punktschärfer, aber nahezu völlig flach und wirkungslos in Relation zur Raumbreite. Wieder einmal: die besten Breitwand-Kinos hat man abgerissen: Capitol Lehniner Platz, Royal-Palast und City im Europacenter, Mercedes-Palast Neukölln, MGM-Theater Kurfürstendamm (letzteres Kino aber nur für Ultra Panavision 70 optimal geeignet gewesen). Die bei Projektion älterer, leicht gefadeter Kopien auf anderen Festivals gängige Praxis, evtl. das Objektiv abzublenden oder einen Cyan-Filter vorzuschalten, wurde vom Veranstalter gar nicht erst in Erwägung gezogen (oder man wußte hiervon nichts). Es wäre aber zum Vorteil bei den Kopien mit etwas gefadeten, also helleren Szenen, die jetzt mit zu viel Licht ungewollt diffus wirken.
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