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Empfohlene BeitrÀge

Geschrieben

Die von Jean Paul Goergen, Helmut Herbst und Klaus Kreimeier gestartete Initiative veranstaltet am 11.10.15 eine Tagung im "Filmmuseum Frankfurt" am Schaumainkai.

 

Flankiert vom Kinemathekenverbund unter Leitung von Rainer Rother, sollen Mittel von nahezu 500 Mio. € fuer Digitalisierungen eingeworben werden.

 

Es findet sich auch noch ein Verweis auf Erhalt analoger Originale als Urschrift, aber kein Hinweis auf Sinn und Wert analoger Interpositive oder gar neuer Filmkopien auf 35mm- oder 70mm-Film.

Geschrieben

@cinerama

Was erwartet man auch von einer Einrichtung, die SchÀden bei flammneuen 70mm Kopien nicht erkennt und/oder vertuschen hilft, sie stillschweigend duldet, oder sogar die Schuldigen deckt und gezielt in Schutz nimmt?

Geschrieben (bearbeitet)

Ich verstehe bzgl. US Majors die Aufregung nicht. In den Staaten wird eine Sicherungskopien auf 35mm doch eingelagert unter besten Bedingungen. Das sollte Archivaren doch bekannt sein???

 

Viel wichtiger waere die Rettung von deutschem Material, ins.von TV Produktionen.

 

Ein Kölner Sender hat wohl im letzten Jahrtausend eine Menge Material verloren. Dank Problemen bei der Umkopierung.

 

Fuer die Staaten wuerde ich Entwarnung geben.

Bearbeitet von DC (Änderungen anzeigen)
Geschrieben

Außerdem gab es auch im analogen Zeitalter Probleme mit der Archivierung

 

Man erinnere nur an den "verlorenen Akt von "Feuer und Eis".

Geschrieben

Soweit mir bekannt war eine Rolle des Negativs seinerzeit "nicht auffindbar", worauf man auf ein Positiv zurĂŒck griff...usw.

Geschrieben

Zeitweilig, etwa bei den hier oft kultivierten Breitformatfilmen, wurde eine Negativrolle vermisst. In den 90ern von STAR! (Schreiben von Robert Wise wegen Interesse an einer alten 70mm-Kopie erhalten - aber die Rolle wurde gefunden). Bei PORGY AND BESS hoert man Aehnliches, auch bei BIG FISHERMAN wird Material vermisst.

 

Die USA befĂŒrworten eher noch als die EU-Staaten analoge Sicherungspakete.

 

Wirklich alarmierend:

Vor ein paar Jahren erst wurde fuer 7 Mio. € das brandneue Filmkopierwerk im Bundesarchiv Hoppegarten eingeweiht.

 

Sollte also nach dem Symposium im Oktober ein absehbarer novellierter Kinemathekenbeschluss zur Digitalisierung gefasst werden, werden wohl nie wieder Archivkopien oder andere Filme in neuer Filmkopie herausgebracht werden. Obwohl dies derzeit technisch oft einfacher und kostenguenstiger ist als die Produktion eines marktfÀhigen Digisats.

 

TatsĂ€chlich sind, wie von @DC ausgefĂŒhrt, Fernsehproduktionen eher von der Depravation bedroht als die seit geraumem gekuehlten Filmrollen in DIF, FWMS oder BArch.

 

Einigen Filmhistorikern, die diesen Aufruf verfasst haben, wollte man Glauben und Angst machen, das gesamte Erbe sei akut bedroht und "wenn nicht umgehend digitalisiert wird, gibt es bald keine Filme mehr", so Archivleiter Koerber von der Deutschen Kinemathek aus Berlin.

Jene Kinemathek nennt sich also neuerdings gesamtdeutsch, was jahrelang sehr verpoent war, und scheint sich Hoffnungen als Profiteur des Online-Vertriebs zu machen, so wie ich die Sache sehe.

  • 3 Wochen spĂ€ter...
Geschrieben

In der Frankfurter Rundschau hat sich Daniel Kothenschulte dieses Themas angenommen. Ein - wie ich finde - zutreffender Kommentar zur Problematik der Digitalisierung:

 

http://www.fr-online.de/film/filmarchive-ausgrabungsstaetten-fuer-die-zukunft,1473350,31739848.html

 

Dass ĂŒber die Erhaltung der Originale ĂŒberhaupt diskutiert werden muss, ist ein Skandal. Wichtig ist die Digitalisierung dennoch, da sie neue Auswertungsmöglichkeiten ermöglicht. Die LĂŒcken in der DVD- und Blu-ray-Veröffentlichung des deutschen Filmerbes sind teilweise beschĂ€mend, ebenso die fehlenden Möglichkeiten, zu wissenschaftlichen Zwecken an die Materialien zu gelangen. Hier besteht Handlungsbedarf. Warum man deshalb glaubt, den analogen Film gleich beerdigen zu mĂŒssen, ist mir allerdings ein RĂ€tsel.

Geschrieben

Die Vernichtung der Originale ist ein schlechter Witz. FrĂŒher klagte man darĂŒber, dass ein Großteil des Stummfilm-Erbes verschollen ist. Selbst bei Klassikern wie Murnau fehlen allerhand Filme. Zelluloid wurde in den 20er Jahren wie selbstverstĂ€ndlich einfach vernichtet und wiederverwertet. Der FR-Artikel zeigt, wie das in Archiven spĂ€ter fortgesetzt wurde: Vernichtung von historisch raren farbigen Stummfilmkopien, Vernichtung von Zelluloid, Abfilmen zerkratzter Kopien. Wer die Kopie der Kopie gesehen hat, glaubt womöglich "den" Film gesehen zu haben...

 

Heute ist Digitalisierung die große Masche. Als es ob es hier mit hohen Etats getan wĂ€re, die in Technologien fließen, die sich in wenigen Jahrzehnten schon wieder als veraltet und anfĂ€llig herausstellen. Vor einigen Jahrzehnten schafften sich Filmfans teure Bildplatten an, die lĂ€ngst verfallen. SpĂ€ter wurde alles auf VHS gesammelt, obwohl es Besseres gab. Ganz privat: Auf neueren Rechnern kann ich nicht einmal mehr die Disketten lesen, die ich vor 15 Jahren noch als selbstverstĂ€ndliches Speichermedium nutzte.

Wer garantiert uns die Sicherheit, dass die derzeitige Digitalisierung nicht in wenigen Jahren schon wieder veraltet ist, weil man dann viel höhere Aufzeichnungs-Möglichkeiten sich durchsetzen? Greifen wir dann auf die Super-8-Kopien oder VHS-Kassetten zurĂŒck?

Auch bei Erstellung des "Kanons" der Filmgeschichte erlebt man immer wieder neue AbgrĂŒnde. Wo immer ein Kanon erstellt wird, herrscht hinter den Kulissen Barbarei. Zum Kanon kommt nur, was "man" kennt. Leute, die das entscheiden, kennen auch nicht alles. Manche sind Oberlehrer, manche kennen auch gar nichts. Qua Amt wird dann zum tausendsten Mal ein Kanon erstellt, der nur Abgeschriebenes nachplappert. Wann immer ich solche "Kanons" sah, packte mich das Grausen.

Nur ein Beispiel: Meine Großmutter schwĂ€rmte fĂŒr Harry Piel. SelbstverstĂ€ndlich bekam ich in langen Jahren, wo ich immer vorzugsweise Filmgeschichte auf der Leinwand sah, nie einen Harry-Piel-Film zu sehen. Lieber restauriert man noch die letzten Filmschnipsel zu Metropolis oder Caligari.

Geschrieben

Problematisch ist vor allem die Tatsache, dass vieles, was uns heute erhaltenswĂŒrdig erscheint, zum Zeitpunkt der Erstellung keinen hohen Wert hatte. Harry Piel ist hier das beste Beispiel. In den 90er erinnerte man sich in meiner Heimatstadt Bremerhaven, dass Piel in 1932 den Film "Das Gespensterschiff" in dieser Stadt gedreht hatte. Nachdem eine Archivkopie aufgetaucht war, konnte der Film restauriert und wieder aufgefĂŒhrt werden. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich 60 Jahre niemand fĂŒr den Film interessiert.

Bei den meisten Filmen, speziell Dokumentationen, gibt es ein "Interessensloch". Sie sind von Relevanz zum Zeitpunkt der Erstellung. Die nĂ€chsten 20-40 Jahre sind sie uninteressant und damit wertlos. Entsprechend schlecht sind die Lagerbedingungen: Dachboden, Keller, bestenfalls Archiv. Bei digitalen TrĂ€gern wĂŒrde sich niemand die MĂŒhe einer Umkopierung machen. Erst nachdem das Interesse wieder gestiegen ist werden die Bedingungen der Aufbewahrung besser. FĂŒr einen digitalen TrĂ€ger kann es dann allerdings schon zu spĂ€t sein.

Geschrieben

Auf neueren Rechnern kann ich nicht einmal mehr die Disketten lesen, die ich vor 15 Jahren noch als selbstverstÀndliches Speichermedium nutzte.

 

http://www.computeru...py-laufwerk.asp

 

BTW: Letztes Jahr habe ich meine c64-Disketten mit einer 1541 und einem USB-Konverter fĂŒr ca. EUR 35,- in den PC eingelesen. Auf 3 Disketten (von ca. 70) gab es Lesefehler bei gerade mal 3 (also insgesamt 3!) Dateien.

Die Disketten haben ca. 30 Jahre im Keller gelegen, inkl. des Laufwerks.

 

 

Gruß

 

Salvatore

 

PS. Der Kondensator im Entstörfilter hat sich nach ca. 1 Betriebsstunde zerlegt. Die Floppy lÀuft nach Austausch des Filters wieder einwandfrei ...

Geschrieben

Viel wichtiger waere die Rettung von deutschem Material, ins.von TV Produktionen.

 

 

DafĂŒr ist nicht ein Cent auszugeben. FĂŒr Filmgut ja, aber Audiovision ist zum sofortigen Verzehr gedacht, kulturpolitisch unwichtig, fĂŒr eine 3/ 4 A Gruppe gemacht. Da gehört alles auf den Haufen der Geschichte.

 

St

Geschrieben

Aber Stefan!

 

Wie sollen Historiker in 100 Jahren rekonstruieren, wie sich eine Zivilisation zerlegt hat, wenn nicht die wichtigsten Ruhigstell+Verblödungswerkzeuge untersucht werden können? Deshalb plĂ€diere ich fĂŒr die atomkriegsichere Unterbringung des Gesamtwerks von Jauch, Maischberger, Christiansen, Plaßberg und die lĂŒckenlose Archivierung des deutschen TV-Krimis. An Printprodukten SĂŒddeutsche, die Transatlantik-Pudel-ZEIT und Bild-Zeitung.

 

Über die Filme von Wim Wenders und Til Schweiger mĂŒĂŸte man reden, da mental doch große Überschneidung vorhanden.

Geschrieben

Wenn ich auch FĂŒrsprecher der analogen Sicherung und Konservierung von erhaltenswertem Filmgut bin, so ist die digitale Sicherung nicht vollstĂ€ndig als Option zu verteufeln. Die hier angefĂŒhrten Argumente gegen eine digitale "Rettung" beziehen sich allesamt auf aus dem Consumer Bereich bekannte A/V-Codecs und Speicherformate, die durch eine meist nur zeitweise Relevanz gekennzeichnet sind. Eine (verlustbehaftete) Kompression kommt bei der digitalen Konservierung von Material m.E. nicht in Betracht. Auf eine lossless Komprimierung sollte ebenfalls verzichtet werden, um die Daten möglichst ohne Zuhilfenahme von Algorithmen zu speichern, die wie ein Codec "in Vergessenheit" geraten könnten. Eine unkomprimierte digitale Speicherung in einem Rohdatenformat auf einem Read-Only-Medium unter Beachtung weiterer Kriterien (High Dynamic Range, Wide Color Gamut, Redundanz zur Fehlerkorrektur) hat den Vorteil, dass die nĂ€chste Reproduktion zwecks Sicherung (z.B. in 100 Jahren) im Gegensatz zur analogen Umkopierung von Duplikat- oder Intermediatefilmen ohne QualitĂ€tsverlust erfolgen kann.

 

Hinsichtlich der Speicherung der digitalen Daten ("Digisat") sollten magnetische Speichermedien, auch bei weltweiter Verteilung der Daten gĂ€nzlich ausgeschlossen werden. Auch Read-Only-Medien, die sich aufgrund ihrer Neuheit noch nicht als persistente Speicher erweisen konnten, stellen keine Option dar. Analoger Film, insbesondere auf Polyester-Basis, ist dagegen auch fĂŒr die digitale Konservierung von Filmen bestens geeignet, entsprechende Lagerbedingungen wie bei der analogen Verwendung vorausgesetzt. Bei der Bits-on-Film Speicherung können beachtliche Datenmengen auf 35mm-Filmmaterial gespeichert werden. Die Möglichkeit zum Auslesen der Daten ist auch mit verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig primitiven Mitteln fĂŒr die Zukunft sichergestellt. Es bedĂŒrfte begleitend zum Digisat lediglich einer (wenig komplexen) Beschreibung, wie die Daten zu interpretieren sind (Fehlerkorrektur, Format etc.).

  • 5 Monate spĂ€ter...
Geschrieben

Neu unter den Aktivisten dieses Rundschreiben:

 

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

liebe Bekannte,

 

wie die meisten von Ihnen wissen, betreibt das Bundesarchiv die systematische Vernichtung historischer Filmdokumente auf Nitrozellulose nach ihrer (selektiven) Umkopierung bzw. (ab 2016) ausschließlichen Digitalisierung. Durch diese Kassationspraxis ist die physische Substanz des deutschen Filmerbes auf Nitrozellulose seit dem Jahr der Wiedervereinigung um ĂŒber die HĂ€lfte geschrumpft. Wenn wir den Rest des authentischen Materials nicht auch noch verlieren wollen, muss die behördliche Filmvernichtung jetzt gestoppt werden.

 

Ich habe mich daher entschlossen, mit einfachen Mitteln eine allgemein verstÀndliche Online-Darstellung des Themas zu erstellen. Meine Website Filmdokumente-retten finden Sie bei Interesse unter der folgenden URL:

 

http://filmdokumente-retten.org

 

Eine englischsprachige Schwesterseite mit im Wesentlichen gleichlautenden Inhalten wird in KĂŒrze folgen.

 

Wenn Sie mein Anliegen unterstĂŒtzen, möchte ich Sie hiermit um Ihre UnterstĂŒtzung bitten:

  • Helfen Sie mit, Öffentlichkeit zu schaffen und die Politik zu sensibilisieren. HierfĂŒr sind insbesondere Kontakte zu Medien, Kulturprominenz und politischen EntscheidungstrĂ€gern von grĂ¶ĂŸter Bedeutung.
  • Ganz besonders wĂŒrde es mich freuen, wenn Sie zur Problematik Stellung bezögen, indem Sie mir Ihre Bewertung der Kassationspraxis zukommen ließen. Mit Ihrer Zustimmung möchte ich eine Auswahl solcher Stellungnahmen und Kommentare auf der Website veröffentlichen.

 

Ich danke Ihnen fĂŒr Ihre Aufmerksamkeit und verbleibe

mit freundlichen GrĂŒĂŸen,

 

Dr. Dirk Alt

Geschrieben

Es schmerzt, wenn man zusehen muß, wie die neue Zeit die alte wegfegt.

Es ist, wie wenn man in Paris die Gioconda verbrannte und nur noch eine

(gemalte) Kopie ausstellte. Oder wie die Cheops-Pyramide abgetragen

und eine aus Polystyrol hingeklebt

 

Bei uns hat es noch keinen Direktor des Filmarchives gegeben, der sich

nur ansatzweise mit der Filmtechnik auseinandergesetzt hÀtte. Von den

bisher vier Chefs war der erste, Freddy Buache, noch der brauchbarste,

weil er wenigstens cinephil ist. Dumont ist ein selbstverliebter Professor,

Wehrlin ist komplett hors discussion und Maire ist Journalist.

 

Immer wieder fÀllt mir beim Thema Filmarchive das Vorwort von Buache

zu einem französischen Buch von 1983 ein, das den einfachen Titel trÀgt

Les cinĂ©mathĂšques. Das hat der frĂŒhere Direktor der cinĂ©mathĂšque de

Toulouse, Raymond Borde, geschrieben. Buache sagt dort:

 

L’ùre des poĂštes-dragons qui veillent Ă  l’entrĂ©e de la caverne aux sortilĂšges se termine. Car le cinĂ©ma doit aborder son inscription sur des supports qu’il faudra maĂźtriser et qui dicteront l’élaboration d’inĂ©dits systĂšmes de diffusion. Le report du nitrate sur acĂ©tate, la dĂ©gradation dĂ©sĂ©spĂ©rante des films en couleurs, les restaurations coĂ»teuses, une vaste problĂ©matique insoupçonnĂ©e voici trois ou quatre lustres exige dĂ©sormais des gestionnaires, des chimistes, des physiciens, qui ne se prĂ©occupent guĂšre de la charge affective des photogrammes soumis Ă  la radiographie. L’ordinateur va remplacer la mĂ©moire d’un seul capitaine qui savait tout de sa cargaison, Ă©tats des copies et valeurs subjectives des contenus.

 

Die Ära der Drachendichter, die am Höhleneingang ĂŒber den Zauber wachen, geht zu Ende. Denn das Kino muß daran gehen, sich auf TrĂ€ger einzuschreiben, die es erst noch zu beherrschen hat und die noch unbekannte Verbreitungssysteme vorschreiben werden. Das Kopieren von Nitrat auf Acetat, die entmutigende Verblassung der Farbfilme, die kostspieligen Wiederherstellungen, eine weite, ungeahnte Problematik fĂŒr die nĂ€chsten drei oder vier JahrfĂŒnfte verlangt in Zukunft Verwalter, Chemiker, Physiker, die sich kaum um die Ladung an GefĂŒhlen in den Photogrammen kĂŒmmern, wenn sie sie durchleuchten. Der Rechner wird das GedĂ€chtnis eines einzigen KapitĂ€ns, der alles ĂŒber seine Fracht wußte, ersetzen: Zustand der Kopien und subjektive inhaltliche Werte.

 

 

Man merkt, wie suspekt, ja unsympathisch Buache die Techniker in ihren weißen Kitteln sind. Was den Computer betrifft, hat er Recht behalten. Was aber die Filmtechnik angeht, bei der er sich nicht auskennen will, ja, da kann man leider nicht mit ihm diskutieren.

  • 7 Monate spĂ€ter...
Geschrieben

Zu # 22:

 

Hochinteressanter Link -danke !

UnabhĂ€ngig von der Frage, was archivierungswert ist (vgl sog. Giftschrank Deutsche Bibliothek bzgl gesperrter Literatur aus unrĂŒhmlicher Zeit) -ist wohl leider auch eine politische Frage- spielen natĂŒrlich auch finanzielle ErwĂ€gungen eine tragende Rolle .... und: Kultur steht in Zeiten knapper finanzieller Ressourcen leider immer auf dem letzten Platz .. sehr schade !

 

Ernst

Geschrieben

Zum drohenden Aussterben der Filmrolle Gerhard Midding:

 

 

 

 

Die Filmkopie bestreitet ihr letztes Gefecht. Es scheint so aussichtslos, dass der mexikanische Kameramann Guillermo Navarro (OscarpreistrĂ€ger fĂŒr »Pans Labyrinth«) das Zelluloid zum Weltkulturerbe erklĂ€ren lassen will. [...]

Ihre Entscheidung hat die UNESCO bislang noch nicht getroffen. [...] Sie werden sich fragen, ob die Filmrolle fortan nur noch als Symbol weiterexistieren wird (immerhin besitzt sie grĂ¶ĂŸere emblematische Strahlkraft als das aktuell gĂ€ngige TrĂ€germedium Festplatte) oder ob es nicht vielleicht doch erstrebenswert ist, dass sie ein zumindest museales Dasein fristen darf.

Falls die UNESCO der Petition Navarros stattgeben sollte, könnte der Bundesregierung ein Ă€hnlicher Gesichtsverlust drohen, wie ihn die Stadt Dresden erlebte, als sie sich fahrlĂ€ssig durch den Bau der WaldschlösschenbrĂŒcke um ihren Platz auf der Liste des Weltkulturerbes brachte. Als die grĂŒne Bundestagsabgeordnete Tabea RĂ¶ĂŸner im Februar eine mĂŒndliche Anfrage zur Praxis der Vernichtung historischen Filmmaterials beim Bundesarchiv/Filmarchiv stellte, erhielt sie von der Regierung eine so entschiedene wie niederschmetternde Antwort. Aus wirtschaftlichen GrĂŒnden werde das Archiv seine analogen Kopierwerke in Berlin und Koblenz schließen und sich ganz auf die digitale Konservierung des Film­erbes konzentrieren.

 

Aus: http://www.epd-film.de/themen/filmarchivierung-das-arche-noah-prinzip

 

 

 

 

Zur vorhergehenden Tagung "Vergangenheit braucht Zukunft" vom Juli 2016 schreibt bemerkenswerter Weise Gerhard Midding in "epd FILM":

 

Der Filmhistoriker und -archĂ€ologe Dr. Dirk Alt wir nicht mĂŒde, vor dem Digitalisierungswahn zu warnen. Er war gewissermaßen als FreischĂ€rler eingeladen, der im Gegensatz zu seinen Mitdiskutanten kein RĂŒcksichten nehmen muss auf institutionelle Bindungen. Als sein Gegenspieler trat Dr. Michael Hollmann auf, der PrĂ€sident des Bundesarchivs. NatĂŒrlich erklĂ€rte er, sich ebenfalls dem Axiom des Originalerhalts verpflichtet zu fĂŒhlen. Indes gab er sich wenig MĂŒhe zu kaschieren, als welch leidiges Überbleibsel eines obsolet werdenden Ethos' er das betrachtet (»Das Dumme an Archivaren ist ihre Liebe zum GegenstĂ€ndlichen.«) und berief sich auf einen Zwist zwischen Commissario und Signora Brunetti, den er dahingehend entscheiden wĂŒrde, den Text und nicht das Buch aufzubewahren. Auch Rainer Rother vom Berliner Filmmuseum vertrat eine GedĂ€chtnisinstitution, die Überkommenes verwahren muss. Einer Nostalgie fĂŒr die 35mm-Kopien mochte er nicht das Wort reden. Warum sich auch gegen die Zeit stemmen? Die Archive stĂŒnden am Ende der Nahrungskette und mĂŒssten nachvollziehen, was die Branche macht, und in Deutschland gebe es nun einmal keine analoge Filmproduktion mehr. (Ich ertappte mich dabei, wie ich kurz an die Worte eines Schurken aus »Spectre« dachte: »It's not personal. It's the future.«)

[....]

In der dritten Diskussionsrunde, die von der Filmwissenschaftlerin Barbara FlĂŒckiger immer wieder zackig auf Spur gebracht wurde, ging es um Strategien und Techniken der Langzeitverwahrungen. FlĂŒckiger, die sich auf die Moderation wie auf einen Vortrag vorbereitet hatte, malte per Power Point das Schreckgespenst eines doppelten Schwarzen Lochs an die Wand: den Verlust des analogen Materials und den von digitalen Produktionen, deren TrĂ€germedien obsolet werden könnten. Dienstleister und andere Fachleute konnten ihr diese Sorge nicht gĂ€nzlich nehmen.

 

Aus: https://www.epd-film.de/blogs/autorenblogs/2016/brandnostalgisch

 

 

Daniel Kothenschulte fasste vor anderthalb die Tragik am treffendsten zusammen - dabei tauchen WidersprĂŒche etwa seitens des Haltung der Deutschen Kinemathek auf, die 2016 quasi ĂŒber Nacht eine 180 Grad-Wender zur Totaldigitalsierung (ohne analoge Zwischen- und Endprodukte) vollzog:

 

Helmut Herbst hat vorgeschlagen, unabhÀngig von der fraglos gebotenen wissenschaftlichen Restaurierung bedeutender Einzelwerke flÀchendeckend den Bestand des Filmerbes zu digitalisieren. Zugleich sollen die Filmmaterialien unter bestmöglichen Bedingungen bewahrt werden. Das ist eine gute Idee, auch wenn jetzt viele sagen, dass das nicht geht.

So viel vergÀnglicher als Ton, Steine und Scherben

 

In ihrer Replik gaben Rainer Rother und Martin Koerber von der Stiftung Deutsche Kinemathek zu bedenken: „Ein solches Vorgehen wĂŒrde in hohem Maße Mittel binden, ohne ein sichtbares Ergebnis zu liefern.“ Sicher, man wĂŒrde Millionen in Filme stecken, die vielleicht niemand jemals mehr ansehen oder gar zeigen wird. So wie eben auch die Deutsche Nationalbibliothek Millionen von BĂŒchern aufhebt, die niemand jemals lesen wird. Aber genauso sicher ist es, dass in dieser Masse tĂ€glich Entdeckungen gemacht und RĂ€tsel gelöst werden, dass jemand auf vergessene Schönheit stĂ¶ĂŸt.

Nichts wĂ€re nun fataler, als einen Großteil der Mittel zur Restaurierung darauf zu verwenden, die lĂ€ngst ausgegrabenen Kostbarkeiten immer wieder neu zu restaurieren und den ĂŒberwiegenden Rest dem Verfall preiszugeben. Aber genau das ist die RealitĂ€t. Und oft stehen am Ende der Millionenprojekte Events, die sich vom Erlebnis des Mediums Film weit entfernen.

[...]

Was also soll der Maßstab sein? TatsĂ€chlich lĂ€sst sich die Bildinformation eines 35mm-Bildes nicht einfach in Pixelzahlen umrechnen; denn die Auflösung bestimmt nicht nur die BildschĂ€rfe sondern auch die Kontraste. Noch lange ist das notwendige Wissen ĂŒber ideale Digitalisierungen nicht gesammelt. Umso wichtiger ist daher der Erhalt des originalen Filmmaterials. DarĂŒber sind sich offiziell auch (fast) alle Archive einig. Abgesehen vom Bundesarchiv.

 

Aus: http://www.fr-online.de/film/filmarchive-ausgrabungsstaetten-fuer-die-zukunft,1473350,31739848.html

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